Kadir, der Krieg und die Katze des Propheten – Die Insider –

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Kadir, der Krieg und die Katze des Propheten – Die Insider –

 

Manchmal ist der IS und der Dschihad näher als Du denkst. Erfahre welche Fälle unseren Städten oder unserer Umgebung beherrschen
Schau nicht weg!

 

 

Heute am letzten Tag der Blog-Tour zu Kadir, der Krieg und die Katze des Propheten von von Benno Köpfer und Peter Mathews möchte ich die beiden Autoren kurz vorstellen und zu Wort kommen lassen.

 

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Benno Köpfer studierte Ur- und Frühgeschichte sowie Islamwissenschaften in Freiburg, Kairo und Sanaa. Als Archäologe war er bei verschiedenen Ausgrabungen im Jemen und Syrien beteiligt und bereiste die islamische Welt zwischen Mauretanien und Pakistan. Heute arbeitet er als wissenschaftlicher Analyst beim Verfassungsschutz mit an der Bekämpfung islamistischen Terrors.

 

Peter Mathews hat seit 30 Jahren Bücher, über ein Dutzend Romane, Kriminalromane, aber auch Sach- und Drehbücher geschrieben. Er hat Volkswirtschaft studiert, war Werber, Verleger und hat sich mit der Geschichte des Islam und der Türkei über viele Jahre beschäftigt.
(Bild- und Textquelle: https://www.dtv.de/buch/kadir-der-krieg-und-die-katze-des-propheten-65023/)

 

Das Interview

 

Zu Beginn würde ich Sie bitten, einmal jeder seine Sicht des Buches vorzustellen (quasi eine Buchvorstellung direkt von den Autoren)
Benno Köpfer (BK) : Für mich erzählt das Buch die Geschichte einer Freundschaft und einer Radikalisierung, verstanden als Weg in eine enge dumpfe Welt, in der Gewalt zu einer Selbstverständlichkeit und einem Selbstzweck wird. Es ist eine sehr spannende Geschichte, bei der man sich wahrscheinlich immer wieder Fragen an verschiedenen Wendepunkten stellen kann. Man wird einiges über salafistische Szenen erfahren und lernen. Gleichzeitig wird man merken so fremd manches wirken mag, so nah können einem die Personen im Roman sein.
Peter Mathews (PM) Es ist so etwas (wenn mir der Vergleich erlaubt ist) wie der dritte Teil zu Herrndorfs „Tschick“ oder Bergs „Auerhaus“. Nur dass es in „Kadir..“ nicht nur ums Erwachsen werden und was mache ich mit und aus meinem Leben geht, sondern um Fragen von Leben und Tod.

 

 

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Herr Köpfer, Sie sind am Ende des Buches schon auf den Salafismus eingegangen. Dennoch stelle ich mir die Frage, wie konnte sich das Ganze über die Jahrzehnte hinweg so radikalisieren und wie wird es Ihrer Meinung wohl weiter gehen?

 
BK: Radikalisierungsverläufe und -Prozesse sind keine Einbahnstraßen, sondern verzweigte und verschlungene Wege. Manchmal sind es Sackgassen, aus denen man umkehren kann. Das wird – und dies ist die Hoffnung – bei einigen der momentan salafistischen Akteuren geschehen. Wie kam es dazu? Da gibt es keine einfachen Antworten. Verkrustete konservativ sunnitische Islamvorstellungen, wie sie etwa auf der arabischen Halbinsel gelehrt werden, sind ursächlich für die problematische Interpretation islamischer Quellen. Politische Krisen des 20. Jahrhunderts, besonders in der islamisch arabischen Welt führten zu einer ideologischen Aufladung und Umdeutung islamischer Texte. Wir erleben eine große innerislamische Krise des sunnitischen Islam, d.h. politische, autoritäre, totalitäre und auch populistische sehr konservative Formen suchen Antworten auf die Herausforderungen einer komplexen Moderne. Was künftige Entwicklungen betrifft, so sehen viele Experten, vor dem Hintergrund der Kriege und Konflikte in der islamischen Welt, die kommenden Jahre eher düster. Wenn man etwa an die vielen Kriege in Libyen, in Syrien, im Irak, im Jemen, in Somalia, in Nigeria, in Mali usw. denkt, bei denen keiner mehr an schnelle Lösungen glaubt. Leider nimmt mit den bewaffneten Konflikten die Akzeptanz von Gewalt als Mittel der politischen Auseinandersetzung zu. Dies wird auch Folgen für junge Menschen hier in Deutschland haben.

 

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Persönlich war ich während der Ende 1970iger bis Ende der 1980iger Jahre mit einigen Muslimen befreundet und bei ihnen war Salafismus nie ein Thema in den Familien. Als ich das Buch “Kadir, der Krieg und die Katze des Propheten” las, überkam mich zu Beginn der Wunsch Kadir einfach nur zu schütteln und ihn nach seinem Verstand zu fragen. In dem Punkt, wo auch Nermin dann Kontakt zu diesen Gruppen erlangt, stellte sich mir gleich die Frage, ob sie wirklich wusste, mit welchen Leuten sie da schreibt. Leider ging das nicht so hervor. War dies Absicht, um alle Möglichkeiten offen zu lassen oder gibt es dafür einen tiefer liegenden Grund?

 
BK: Nermins Geschichte sollte nur angedeutet werden, ob sie es wusste? Wahrscheinlich
nicht, ihre Erlebnisse würden ein anderes Buch ergeben.
PM: Nehmen wir mal unser Gespräch, dass wir führen, ohne uns zu kennen. Daraus
könnte sich auch etwas ergeben, wenn einer den anderen in eine bestimmte Richtung
drängen möchte. Nermin ist für mich ein ganz normales neugieriges Mädchen , das auf
einen Typen trifft, der weiß wie man jemanden anmacht.

 

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Ich persönlich kenne nur einen Koran aus der Erinnerung in meiner Jugend, doch wenn
ich sehe und höre was einem von den verschiedenen Seiten weiß gemacht wird, stellt sich
unweigerlich die Frage: Gibt es mehr als einen Koran? Oder ist es eher wie mit der Bibel
und deren Auslegungen?
BK: Selbstverständlich gibt es weder den Islam noch den Koran in einer Lesart. Das fängt
übrigens bereits bei der Rezitation des Textes an, für die es mehrere Möglichkeiten und
Traditionen gibt und hört noch lange nicht bei der Auslegung ganzer Passagen auf. Diese
Diskussion hat gerade erst Fahrt aufgenommen, wenn ich etwa das neue Buch von Abdel
Hamed Samad über den Koran oder die Freiburger Deklaration liberaler Muslime
erwähnen darf.

 

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Herr Mathews, Sie haben sich mit dem Islam über Jahrzehnte hinweg beschäftigt. Was
denken Sie sind die Gründe für diesen Wandel der islamischen Welt zu einer immer
gewalttäigeren Ausrichtung?
PM: Der Islam war von Beginn an nicht friedlich. Mohammed war ein Kriegsherr und hat
seine Gegner ermorden lassen. Im Namen des Islam wurde über Jahrhunderte gegen
Ungläubige gekämpft. Während in den ersten Jahrhunderten nach Mohammed noch um
den Weg der Regligion gestritten wurde und es auch fortschrittliche Auffassungen (wie die
Muta´liziten) gab , haben um 1000 nChr. die orthodoxen Vorbeter gewonnen und das „Tor
der Philosophie“ geschlossen. Das ist m.E. die Krankheit des Islam , nicht zu Zweifeln,
nicht zu fragen, nicht neugierig zu sein. . Man hat die Religion nicht weiterentwickelt ,
sondern auf Gehorsam bestanden. Die Gewalttätigkeit der radikalen Muslime kommt aus
diesem schlichten Weltbild des Gehorchens und Unterwerfens. Dieses Denken
durchdringt die islamische Gesellschaft bis zur letzten Mutter und Vater , die dem Sohn
Gehorsam einbimsen.

 

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Zu dem Zeitpunkt, als Kadir zum Dschihad geht, hat er nur die „Hochglanzseiten“
gesehen. Dann teilweise Langeweile und Freude an Waffen erlebt. Als er das Kätzchen
fand, kam für mich ein Gefühl der Hoffnung auf. Hoffnung, dass er einen Weg zurück
finden würde. Ist das Kätzchen wirklich als ein Symbol der Hoffnung gedacht oder eher der
weicherer Teil der Geschichte?

 
PM: Kadir scheint sein Leben nicht wirklich zu lieben. Andere Menschen auch nicht.
Vielleicht Allah, für den er sterben will. Ja, und dann ist da das Kätzchen, das ohne ihn
sterben würde.

 

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Als Kadir plötzlich traumatisiert verschwindet, zu seinem Vater flüchtet und dann in
Deutschland wieder auftaucht, könnte er dem Leser fast leid tun. Doch für mich
unverständlich ist der Punkt, dass er eigentlich wieder das macht, was als verboten gilt.
Hat er zu dieser Zeit den Glauben verloren oder wollte er einfach nur wieder zurück in ein
normales Leben?

 
PM: Das ist der Punkt. Kadir ist von Syrien und dem IS enttäuscht. Nicht mehr. Er hat nicht
darüber nachgedacht, dass der Weg vielleicht falsch war. Er war nur nicht stark genug ,
um die Sache durchzuziehen. Er provoziert, er will, dass andere für ihn entscheiden.

 

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Eindrucksvoll war für mich das Ende der Verhandlung, als Kadirs Vater in den
Gerichtssaal stürmte und das Kätzchen heraus holte. Das Urteil für Kadir ist bestimmt
gerechtfertigt, aber doch stellt sich die Frage: Ist die Haftzeit nicht etwas kurz und welche
weiteren Gefahren birgt sie für ihn?
BM: Das Strafmaß entspricht dem der realen Fälle.
PM: Die Frage beantworte ich nicht. Darüber sollten wir sprechen, wenn alle das Buch
gelesen haben.

 

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Mark soll sich am Ende des Buches um das Kätzchen kümmern. Macht er dies wirklich?
Oder bleibt das Ende genauso offen wie die Hoffnung auf eine friedliche islamische Welt?
PM Das Kätzchen wird nur überleben, wenn jemand es liebt. Mark scheint ein
verantwortungsbewußter junger Mann zu sein. Ich habe Hoffnung.
Herr Köpfer, aus Ihrer beruflichen Sicht gesehen, was sollte sich dringend ändern? Mehr
Aufklärung durch Berichte von Rückkehrern, strengere Auflagen für die islamischen
Gemeinden?
BK : Aufklärung und Nachfragen, in Kontakt bleiben mit den Betroffenen und weniger
Auflagen aber Interesse und auch hier Nachfragen und besonders kritische direkte Fragen
stellen. Das darf auch konfrontativer sein. Gleichgültigkeit auf der einen und
Opferhaltungen auf der anderen Seite helfen nicht weiter.

 

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Gibt es klare Anzeichen und die Möglichkeit, dies anonym zu melden, wenn jemand den
Verdacht hat, dass ein Familienmitglied, Freund oder Nachbar sich dem IS zuwendet?
Kann man sich womöglich schützen?
BK: Es gibt in vielen Bundesländern zivilgesellschaftliche Beratungsstellen, an die sich
jeder wenden kann. Sieht man etwas besonders auffälliges kann und darf man sich bei
Straftaten an die Polizei oder bei unklaren etwa merkwürdig salafistischen Äußerungen an
den Verfassungsschutz wenden.

 

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Neben diesen Fragen brennt mir angesichts der vergangenen Anschläge und den
vereitelten Versuchen eine Frage ganz besonders auf den Nägeln. Haben Sie beide
manchmal Angst vor möglichen feindseligen Folgen auf das Buch?
BK: Nein keine Angst.
PM: Da kann sich derjenige auf einen Satz heiße Ohren gefasst machen.

 

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Am Ende des Buches haben Sie beeindruckend darüber berichtet, dass nur sechs Monte
nach Fertigstellung des Buches die Anschläge in Paris waren. Was war dies für ein
Gefühl? Haben Sie jemals daran gedacht „Kadir, der Krieg und die Katze des Propheten“
nicht zu veröffentlichen?
BK : Nein, die Geschichte Kadirs musste und wollte so erzählt werden.
PM: Benno ist Analyst und ich habe von Berufs wegen viel Phantasie. Das war keine
Wahrsagerei, sondern in gewissem Maße vorhersehbar. Dass viele Dinge, die wir
beschreiben, so oder ähnlich stattgefunden haben oder noch geschehen, ist tatsächlich
beunruhigend.

 

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Gewinnspielfrage:

Welche Berufe haben Benno Köpfer und Peter Mathews?

Je öfter ihr unsere Fragen beantwortet, umso mehr Lose könnt ihr sammeln und habt dann höhere Chancen.
Die genauen Teilnahmebedingungen findest du hier 

Der Gewinn

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1 Print „Kadir, der Krieg und die Katze des Propheten“ von Benno Köpfer und Peter Mathews
– Der Gewinn wird direkt vom Verlag verschickt-

 

 

Der Tourplan
10.10 Der IS in unserer Stadt auf allen teilnehmenden Blogs
11.10 Freunde schauen nicht weg www.tamysbuecherwelt.wordpress.com
12.10 Die Wege des IS www.schattenwege.net
13.10 Terror Trauma www.eineleidenschaftfuerbuecher.blogspot.de
14.10 Dschihad und seine Folgen www.büchertraum.com
15.10 Die Insider *** hier bei mir***

Ein Kommentar

  1. Hallo,

    danke für den spannenden Beitrag!
    Benno Köpfer arbeitet als wissenschaftlicher Analyst beim Verfassungsschutz mit an der Bekämpfung islamistischen Terrors und Peter Mathews ist Schriftsteller, hat Volkswirtschaft studiert und war auch Werber und Verleger 🙂

    LG

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