Verschollen im Land der Lotusblüten von Rike Stienen

Verschollen im Land der Lotusblüten von Rike Stienen

( Tag 8 des Autoren-Adventskalender 2014 / Text und Bilder Rike Stienen)

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( Cover Copyright Bookshouse)

 

 

Kapitel 1
Mit einem Lächeln auf dem Gesicht wandelt Mara durch den Rosengarten, der jetzt im Sommer betörend duftet. Sträucher recken ihre Zweige in die milde Luft und locken Insekten und Schmetterlinge an, die hintereinander um die Blüten flattern, als würden sie Fangen spielen.
Großmutter Amalie ist dabei, die vom Regen der letzten Tage verfaulten Blumenköpfe akribisch abzuschneiden. Die Rosen sind ihre Passion, und ihr Garten ist weit über die Grenzen Hamburgs bekannt. Jedes Jahr nimmt sie am Tag der offenen Gartentür teil, und begeisterte Blumenfreunde dürfen sich an ihrem Paradies erfreuen und von ihrem Fachwissen profitieren.
Amalie ist so vertieft in ihre Tätigkeit, dass sie zusammenzuckt, als Mara plötzlich hinter ihr verkündet: »Juhu, ich hab’s geschafft!« Damit meint Mara ihr Lehrerexamen. Wie hat sie die letzten Monate geschuftet und sich hinter ihren Büchern versteckt! Endlich ist diese anstrengende Zeit vorbei, und sie kann die nächsten Wochen in vollen Zügen genießen, bis sie den Schuldienst antritt. Noch ist unbekannt, wo dies sein wird. Es bleibt zu hoffen, dass ihr die neue Stelle im Umkreis angeboten wird, denn Mara möchte weder von Amalie noch von ihrem Freund Lukas getrennt werden und womöglich in eine andere Stadt ziehen müssen.
Amalie legt die Rosenschere beiseite und entledigt sich der Gartenhandschuhe, um Mara in die Arme zu schließen.
»Wer hätte daran gezweifelt, dass du es schaffst, meine Liebe. Herzlichen Glückwunsch!
Ich habe eine Überraschung für dich.« Die Großmutter setzt eine geheimnisvolle Miene auf.
»Was ist es denn? Hat es mit Hendrik zu tun?«, fragt Mara, die ihren Zwillingsbruder sehr vermisst.
»Den kann ich leider nicht aus dem Hut zaubern, aber ich habe alle deine Freunde heute Abend zu einer Feier eingeladen.«
Stürmisch haucht Mara ihrer Großmutter, die leicht zurückstrauchelt, einen Kuss auf die Wange. »Das ist ja total süß von dir. Du bist die Beste! Wer kommt denn?«
»Das verrate ich nicht. Etwas Spannung darf bleiben!« Erneut streift sich Amalie die Gartenhandschuhe über und schneidet diesmal einen ganzen Strauß Rosen für die bevorstehende Party ab. Mara liebt Großmutters Rosenbowle. In den Sommermonaten lädt sie oft ihre Freundinnen dazu ein, die sich nie zweimal bitten lassen, um in den Genuss dieses köstlichen Getränks zu kommen.Voller Vorfreude schickt sich Mara an, in Richtung Haus zu laufen. »Dann rufe ich jetzt mal Lukas an. Die treulose Tomate hat mich nicht wie verabredet nach der Prüfung
abgeholt.«
»Ja, mach das! Wahrscheinlich hat sein Tantchen mal wieder eine besondere
Beschäftigung für ihn.« Einen ironischen Unterton kann sich Amalie nicht verkneifen.Mara ahnt, dass ihr Herzblatt der Großmutter nicht geheuer ist. Obwohl Lukas bereits seit einem Jahr als Lehrer am Gymnasium im hiesigen Stadtteil arbeitet und genug Geld verdient, lebt er immer noch im Haus seiner Tante in einem kostenlosen Studentenzimmer.
Als Dank dafür ist er ihr rund um die Uhr zu Diensten. Wieso sich Mara das ständige Zurücksetzen ihrer eigenen Bedürfnisse zugunsten dieser Frau gefallen lässt, bleibt ihr manchmal ein Rätsel. Sobald Mara weiß, wo sie ihre Stelle antritt, wird sie jedoch auf eine gemeinsame Wohnung drängen. Hinsichtlich Amalie plagt sie allerdings das schlechte Gewissen, diese allein in der großen Villa zurückzulassen. Ob Amalie nicht insgeheim hofft, dass Lukas mit einzieht? Platz wäre ja genug vorhanden. Außer dem Parterre gibt es zwei zusätzliche Etagen mit jeweils drei Zimmern, einer Küche und einem Bad. Das Haus ist vor hundert Jahren extra so großzügig für mehrere Generationen unter einem Dach gebaut worden. Übrig geblieben sind gerade mal drei Personen. Vielleicht lässt sich Lukas
im Laufe der Zeit überreden, seine Tante zu verlassen und mit in der Villa zu wohnen. Sie würden eine Menge Mietkosten sparen, und Lukas ist ein Centfuchser. Jetzt schiebt Mara erst mal alle Zukunftsspekulationen beiseite und freut sich auf die Party.

Auf dem Fest am Abend will bei Mara keine Stimmung aufkommen, obwohl Amalie keine Mühen und Kosten gescheut hat, ein Büffet vom besten Delikatessenhändler der Gegend herrichten zu lassen. Minifrikadellen, Schnitzel, Hähnchenschenkel, diverse Sommersalate und Lachsbrötchen lassen keine Gaumenfreuden offen. Ein Dessertbuffet mit allen Variationen von Mousse au Chocolat bildet den krönenden Abschluss des kulinarischen Verwöhnprogramms. Alle Freundinnen und Freunde erweisen Mara die Ehre, um sie zu feiern und zu beglückwünschen. Sogar Irene, ihre beste Freundin, hat es bewerkstelligt, einen Tag eher von ihrer Geschäftsreise aus Paris zurückzukehren. Sie ist Amalies Überraschungsgast.
Der Garten ist mit vielen Fackeln bestückt, die ihn jetzt bei einsetzender Dämmerung in ein romantisches Licht tauchen. Überall laden kleine Tische mit Korbstühlen zum Verweilen und Plaudern ein. Auf jedem verführen Chips und Nüsse zur Kalorienaufnahme.
Die leckere Rosenbowle entfaltet inzwischen ihre Wirkung, denn einige Gäste kichern und lachen um die Wette über irgendwelche Belanglosigkeiten. Auch Lukas steht in einer Gruppe junger Leute mit einem Glas in der Hand und präsentiert Anekdoten aus seinem Schulalltag. Immerhin kam er mit einem großen Blumenstrauß an, um Maras tollen Examensabschluss zu würdigen. Scheinbar hatte er wenigstens ein schlechtes Gewissen, sie nach der Prüfung nicht wie versprochen abgeholt zu haben. Seine Tante musste beim Arzt,
wo er sie hingebracht hatte, so lange warten.
Immer das Gleiche, schießt es Mara durch den Kopf, als sie im hintersten Winkel des Gartens etwas Einsamkeit sucht. Selbst an solch wichtigen Tagen ist Lukas nicht Manns genug, den Klauen seiner Tante zu entkommen. Sie schlendert zur großen Eiche, von der immer noch die beiden Schaukeln aus Kindertagen herabhängen. Die Seile sind verwittert, und das Holz des Sitzes schimmert aschgrau. Hendrik und Mara veranstalteten täglich bei Wind und Wetter ein Wettschaukeln. Derjenige, der zuerst mit einem Fuß an den ersten Ast tippte, hatte gewonnen und erhielt als Belohnung am nächsten Tag zusätzlich den
Schokoriegel des anderen. Das war etwas Besonderes, denn Amalie achtete penibel darauf, dass Mara und ihr Zwillingsbruder nicht zu viele Süßigkeiten aßen. Sie schien damals von diesem Deal nichts zu ahnen oder ließ sich jedenfalls nichts anmerken. Je älter Mara und Hendrik wurden, desto öfter ging er als Sieger hervor, weil er einfach größer und kräftiger als Mara wurde und seine langen Beine schneller das Ziel erreichten. Als Mara ihre Chancenlosigkeit erkannte, beendete sie das Spiel von einem Tag auf den anderen. Das ist inzwischen Jahre her, und auch das gebaute Baumhaus ihres Vaters in der Eiche fiel vor vielen Jahren einem heftigen Sturm zum Opfer. Dabei hatten Hendrik und Mara davon geträumt, dass ihre eigenen Kinder eines Tages ebenfalls darin spielen dürften. In ihm wurde gelacht, geweint, gestritten, gegessen, geschlafen, die Hausaufgaben gemacht und
mit Freunden geredet.
In Gedanken an diese unbeschwerte Kindheit schwingt Mara nun allein auf einer der beiden Schaukeln in die Höhe, bis sie den besagten Ast berührt, und lässt einen tiefen Seufzer los.
Diesen hört Irene, die neben ihr zu schaukeln beginnt. »Hey, warum verkrümelst du dich hier? Alle fragen schon, wo du bist.«
Geschickt bremst Mara die Schaukel ab. »Ich bin total frustriert, dass sich Hendrik nicht meldet. Er hatte es versprochen. Wie kannst du es ertragen, so selten von ihm zu hören?«
»Hm.« Irene räuspert sich vorsichtig. »Vielleicht ist es meine Schuld, dass er heute nicht anruft.«
»Wieso?«, fragt Mara stirnrunzelnd und hakt nach. »Hast du denn in der letzten Zeit mit ihm telefoniert?«
»Nein.«
»Dann verstehe ich nicht, was du meinst.«
Es fällt Irene ersichtlich schwer, mit der Wahrheit herauszurücken, denn sie beißt sich auf die Unterlippe, bevor eine Antwort kommt. »Ich habe vor einiger Zeit per Mail mit ihm Schluss gemacht, mich aber nicht getraut, es dir und Amalie zu beichten. Inzwischen wird Hendrik wohl in einem Internetcafé gewesen sein und sie gelesen haben.« So, jetzt war es endlich raus, und Irene wagt es nicht, Mara in die Augen zu sehen. Sie starrt ins Gras und setzt zur Verteidigung ihres Entschlusses an. »Ich habe damals nicht verstanden, warum er nach dem Tod eures Vaters überstürzt eine Weltumsegelung machen musste und uns alle im Stich ließ. In dem Jahr habe ich zwei Postkarten von ihm bekommen, eine zu Weihnachten und eine zum Geburtstag, ab und zu eine lapidare Mail, wenn er irgendwo
Internetzugang hatte. Ich konnte ihn nie telefonisch erreichen, da Hendrik, wie du weißt, das Mitführen eines Handys immer abgelehnt hat. Auf hoher See gibt es sowieso keinen Empfang, war sein Argument. Das ist doch keine Beziehung, wenn man den anderen nicht sprechen kann, wann man möchte, oder?« Jetzt späht Irene doch vorsichtig zur Seite und zieht die Augenbrauen erstaunt hoch, als Mara völlig anders reagiert als erwartet.
»Du musst dich nicht rechtfertigen. Wenn Lukas mich so im Regen hätte stehen lassen wie dich, hätte ich nicht anders gehandelt. Hendrik wollte uns alle sicher nicht verletzen und hat nicht darüber nachgedacht, wie es uns damit ging, als er über Nacht verschwand.
Amalie und ich hatten das Gefühl, plötzlich zwei Menschen verloren zu haben, meinen Vater und Hendrik. Ihr gegenüber fand ich Lukas’ Handeln besonders schlimm, schließlich hat sie uns nach dem frühen Tod unserer Mutter wie eigene Kinder großgezogen.«
Dankbar greift Irene nach Maras Hand. »Ich bin so froh, dass du mir nicht böse bist und sogar Verständnis für meine Situation zeigst. Ich weiß, wie sehr du deinen Bruder liebst und vermisst.«
»Du bleibst meine beste Freundin, auch wenn du nicht meine Schwägerin wirst, was ich natürlich bedaure«, versichert Mara mit fester Stimme.
Irene stockt einen Moment, atmet tief ein, um dann mit der nächsten Enthüllung
fortzufahren: »Ich … ich habe mich vor einiger Zeit in einen Arbeitskollegen verguckt.
Weißt du, er ist für mich da, wenn ich traurig bin und mir die neue Tätigkeit alles
abverlangt. Ich habe mich so lange einsam gefühlt.«
Bevor Mara neugierig nachhaken kann, wer denn der Glückliche ist, taucht Amalie wie aus dem Nichts auf und fuchtelt aufgeregt mit einem Fax in der Hand.
»Hier, lies mal bitte! Du als Englischlehrerin kannst das besser als ich.«
Sofort reißt Mara der Großmutter mit einem flauen Gefühl im Magen das Schreiben aus der Hand. Es trägt den Absender der Deutschen Botschaft von Colombo und fällt zu Boden, als Mara entsetzt die Hände vors Gesicht schlägt. »Hendriks Jacht wurde führerlos auf einer Sandbank an der Südküste Sri Lankas gefunden. Von ihm fehlt jede Spur.«
Irene legt betroffen einen Arm um Maras Schultern. »Das ist ja furchtbar. Ist er
ertrunken?«
Diese Mutmaßung ist erkennbar zu viel für Amalie. Sie schluchzt hemmungslos in ihren Seidenschal und muss von Mara und Irene gestützt ins Haus geleitet werden.

Als alle Gäste endlich gegangen sind, beratschlagen Mara, Irene, Amalie und Lukas, was sie tun sollen. Der Botschafter möchte wissen, ob er die Jacht nach Deutschland überführen lassen soll. Falls ja, benötigt er dafür natürlich Geld. Ansonsten müsse sich die Familie
selbst darum kümmern und alles dafür Erforderliche veranlassen.
Die bodenständige Mara hat Hamburg und die weitere Umgebung nur in
Ausnahmefällen verlassen und kann Menschen nicht verstehen, die unbedingt ferne Länder
kennenlernen und sich auf eine unberechenbare Reise begeben wollen. Nie würde Mara
freiwillig heiße und exotische Gegenden aufsuchen.
Amalies Augen füllen sich wieder mit Tränen. »Einer muss nach Colombo fliegen und
sich um die Formalitäten kümmern«, bringt sie mit erstickter Stimme hervor. Dabei blickt
Amalie Irene fragend an, die jedoch vehement mit dem Kopf schüttelt.
»Ich bin in der Probezeit. Ich kann keinen Urlaub nehmen.«
»Dann werde ich nach dem Jungen suchen«, sagt Amalie entschlossen und wischt sich mit dem Handrücken ihre Tränen weg. »Ich spüre, dass Hendrik lebt und unsere Hilfe braucht.«
Intuitiv greift Mara nach Amalies Hand. »Das lässt du schön bleiben! Wenn hier jemand fliegt, dann ich.« Dabei weiß sie in diesem Moment nicht, wie sie ihre Flugangst überwinden soll. Die Abiturabschlussfahrt führte damals nach Paris. Während alle anderen dorthin flogen, bevorzugte Mara ganz allein den Zug und verpasste durch die längere Reisezeit den ersten Sightseeingtag.
Prompt bringt Amalie den Einwand, dass Mara nicht allein fliegen kann. Jemand muss ihr beistehen. »Dann begleite ich dich.«
Diese Idee stößt bei Mara nicht auf Zustimmung. »Das ist viel zu beschwerlich für dein angeschlagenes Herz, und du solltest zu Hause sein, falls sich Hendrik meldet.« Sie schubst ihren Freund leicht seitlich in die Rippen. »Was ist mit dir? Kommst du mit?«
Verdattert zuckt Lukas zusammen. »Ich?«
»Ja, du, es sind Ferien, und du hast Zeit.«
»Aber …« Weiter kommt Lukas nicht, denn wie aus einem Munde sprudelt es aus Mara und Irene: »… du musst erst deine Tante um Erlaubnis bitten.«

Nachdem Lukas und Irene weit nach Mitternacht gleichzeitig das Haus verlassen haben, forscht Mara im Internet nach zwei Flügen nach Colombo.
Amalie blickt ihr über die Schulter und lässt ihrer Angst um Hendrik freien Lauf.
»Glaubst du, er lebt noch?«
Mara unterbricht ihre Suche, springt vom Stuhl auf und umarmt ihre Großmutter. Sie spürt, wie diese am ganzen Körper zittert. »Aber sicher. Ich würde fühlen, wenn ihm etwas Ernstes passiert wäre. Ich fliege mit Lukas nach Sri Lanka, und wir werden ihn finden.
Versprochen!« Dabei ist Mara bei diesen Worten selbst mulmig zumute.
Während Amalie ein wenig getröstet zu sein scheint und meint: »Ich vertraue dir und pack schon mal deinen Koffer«, wendet sich Mara wieder den Flugportalen zu und wird schließlich fündig. Sie wartet nicht den vereinbarten Anruf von Lukas ab, sondern bucht sofort. Seine Tante war sicher schon am Schlafen, als er nach Hause kam, und deshalb wird er sie erst am nächsten Morgen mit der Situation konfrontieren können.
Als Mara gähnend ihr Zimmer betritt, ist Amalie längst mit dem Kofferpacken fertig.
Allerdings lässt sich das gute Stück nicht schließen.
»Bitte hilf mir mal und setz dich obendrauf! Ich ziehe dann den Reißverschluss zu«, verlangt die Großmutter.
Mara macht keinerlei Anstalten, dieser Aufforderung nachzukommen. »Was hast du denn alles eingepackt? Ich breche nicht zu einer Antarktisexpedition auf und benötige nicht viel. Bestimmt kann die Hälfte wieder raus.« Schon entdeckt sie ihren schwarz-weiß gepunkteten Bikini und will ihn herausziehen, aber Amalie hindert Mara daran, die protestiert: »Wir machen keine Urlaubsreise. Ich weiß doch gar nicht, was uns dort erwartet!«
»Eben! Du solltest für alles ausgerüstet sein!« Amalie besteht darauf, dass nichts vom Inhalt wieder in den Schrank wandert.
»Ich gebe mich geschlagen, aber mehr als zwanzig Kilo Gepäck darf ich nicht
mitnehmen. Stand im Internet.«
»Das sind ja fast alles leichte Sachen, und ich habe dir einige Medikamente
zusammengestellt.«
»Lieb von dir.« Mara stützt sich mit ihrem ganzen Leichtgewicht auf den Kofferdeckel, während Amalie ihn endlich verschließen kann. Mit vereinten Kräften hieven sie ihn von Maras Bett auf den Boden.
»Den kann Lukas dann morgen runtertragen«, meint Amalie.
»Er hat mir eben eine SMS geschickt, dass wir uns erst am Flughafen treffen. Mit seiner Tante konnte er nämlich nicht mehr sprechen und muss ihr morgen früh unsere Reise beichten.«
»Beichten? Ihr begeht doch keine Straftat! Mensch, Mädel, wie kannst du das bloß aushalten? Lukas ist ein erwachsener Mann! Er ist dieser Frau keine Rechenschaft schuldig, schon gar nicht, wenn es sich um einen Notfall handelt.« Mit vor Unglauben weit aufgerissenen Augen starrt Amalie Mara an und stemmt ihre Arme in die Hüften. »Ich fass es nicht! Wann nabelt sich der Junge endlich ab?«
»Bestimmt nicht heute Nacht!« Maras Tonfall klingt patzig. »Darüber müssen wir jetzt nicht diskutieren. Wir sollten lieber noch eine Mütze voll Schlaf nehmen«, und etwas friedlicher fährt sie fort, »danke für deine Hilfe und auch für die schöne Feier heute!« Sie will ihre Großmutter nicht zusätzlich aufregen. Deshalb erzählt sie auch nichts von Irenes und Hendriks Trennung. Das hat Zeit bis nach ihrer Rückkehr aus Sri Lanka. Mara küsst Amalie flüchtig auf beide Wangen. »Jetzt gehen wir endlich schlafen. Alles wird gut!«

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Profilfoto klein

 

Vor zehn Jahren erfüllte ich mir den Traum, eine Ausbildung zur Drehbuchautorin zu machen. Aus einem Filmstoff entstand mein erster Liebesroman „Liebe auf Bestellung“. Inzwischen sind drei weitere Romane und einige Kurzgeschichten veröffentlicht worden. Zurzeit bin ich als Jurymitglied für den DeLiA-Preis (Vereinigung deutschprachiger Liebesromanautoren) tätig und darf ungefähr 200 eingereichte Bücher begutachten. Meine Adventszeit wird also dieses Mal hauptsächlich mit Lesen verbracht. Ich wünsche allen eine schöne und besinnliche Advents-und Weihnachtszeit.