Ricky Meinfeldt von Julia Meyer

Ricky Meinfeldt von Julia Meyer

( Tag 16 des Autoren-Adventskalender 2014 / Text und Bilder Julia Meyer)

 

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Leseprobe:

Der Wind peitschte das Wasser gegen die Felsen. Regen nieselte auf den einsamen Mann, der auf das schäumende Meer unter sich sah. Seine Haare standen durch den Wind in alle Richtungen.

Jetzt war es später Nachmittag. Kälte kroch dem Mann durch die dünne Jacke. Er wusste, dass er sich erkälten würde, wenn er noch lange an diesem Ort blieb. Aber es war ihm nicht wichtig. Sein Blick schweifte zu seinem silbernen Lamborghini Murciélago. Mensch und Maschine wirkten in dieser grauen Wettertristesse wie die letzten Überlebenden einer postapokalyptischen Katastrophe.

Der Mann blickte in den Himmel. Dort warteten sie auf ihn, dessen war er sich sicher. Vor allem seine Schwester. Es war ein beruhigendes Gefühl sich an dem Gedanken festzuklammern, dass sie noch irgendwo da waren. Sie, und die wenigen netten Menschen, die ihm in seinem Leben begegnet waren.

Der großgewachsene Mann konnte sich gut an seine Schwester erinnern und wusste weshalb sie hatte sterben müssen. Wie immer, wenn er an ihren Tod dachte, fühlte er tiefe Trauer und presste seine Lippen, bis sie nur noch ein schmaler Strich waren.

Er wusste, dass er nur zwei Alternativen zum jetzigen Dasein in großer Schuld hatte. Entweder verbrachte er den Rest seines Lebens in der geschlossenen Psychiatrie, oder aber er folgte seiner Schwester. Obwohl ihm das Wort Schuld nur in Verbindung mit seinem Vater über die Lippen kam, bezweifelte er, ob er seiner Schwester folgen würde. Sein Glaube war nicht ausgeprägt, aber er konnte durchaus zwischen Himmel und Hölle unterscheiden. Und er war überzeugt, dass es ein Leben nach dem Tode gab.

*

Die zerschossene Kindheit

Ich will euch nicht mit so lapidaren Dingen, wie meiner Kindheit „belästigen“, darum umreiße ich sie einfach mal grob:

Meine Kindheit verbrachte ich als Richard Dogen in einem Reihenhaus in der beschaulichen Heidestadt Lüneburg. Mein Vater arbeitete als Polier bei einer Baufirma, meine Mutter war Hausfrau. Wir waren nicht reich, lebten aber in geordneten Verhältnissen. Mein Vater wurde arbeitslos, als ich acht Jahre alt war. Das war der erste Schritt in die drohende Katastrophe. Zuerst wollte es niemand wahrhaben. Es wurde vor uns schön geredet. Aber ich bekam alles mit, auch wie mein Vater zum Alkoholiker wurde.

Eine Weile konnten meine Eltern das Reihenhaus noch halten. Aber mit dem zunehmenden Alkoholkonsum meines Vaters wurde das Geld immer knapper. Irgendwann konnte die Miete nicht mehr aufgebracht werden und wir mussten umziehen. Der Stadtteil, in dem uns das Sozialamt eine Wohnung zugewiesen hatte, war verrufen. Hier waren Schlägereien und Diebstähle an der Tagesordnung.

Meine Schwester Lisa, zwei Jahre jünger als ich, war einer der wenigen Lichtblicke in diesen sonst sehr tristen Kindertagen. Sie sah mit ihren großen blauen Augen und den blonden Locken aus wie ein Engel und schweißte mit ihrer unbekümmerten Art unsere Familie eng zusammen.

Während mein Vater an mir grundsätzlich etwas auszusetzen hatte, vergötterte er meine Schwester. Manchmal war ich eifersüchtig auf Lisa, aber das verging schnell. Vor allem, wenn sie meinen Vater ablenkte, wenn er mal wieder seine Wut an mir ausließ. Aber auch Lisa konnte den allmählichen Zerfall nicht aufhalten.

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Ich bin Jahrgang `83 und schreibe seit ich denken kann Kurzgeschichten und Romane,vornehmlich aus den Genres Horror, Thriller, Fantasy, Psychodrama und deren Mischungen.
Im wahren Leben, ausserhalb der schillernden Welt der Bücher, bin ich Sachbearbeiterin.
Wohne im malerischen Heidestädchen Lüneburg, zusammen mit meinem Freund, Hund und3 Katzen. Neben dem Schreiben gehe ich gern Schwimmen, treffe mich mit Freunden undhuldige meinem liebsten Hobby – schnellen Autos.