Carola: Muh-kuhisch für Anfänger von Christoph & Doris Hermann

Carola: Muh-kuhisch für Anfänger von Christoph & Doris Hermann

( Tag 7  des Autoren-Adventskalender 2014 / Text und Bilder Doris Hermann )

Carola Cover

 

„Muh-kuhisch“ spricht nicht jeder. Auch nicht die sechsjährige Matilda. Und erst recht nicht ihre Eltern, der Bauer Wiesel und seine Frau.
Umso schwieriger ist es für die drei, ihrer überaus neugierigen Kuh Carola mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, wenn diese sich wieder einmal in Schwierigkeiten gebracht hat.
In „Carola – Muh-kuhisch für Anfänger“ erzählen 15 kurzweilige Geschichten von den lustigen und verrückten Abenteuern einer etwas anderen Kuh, die zu gerne selbst einmal Traktor fahren würde und auch nicht davor zurückschreckt, einen vermeintlichen Einbrecher dingfest zu machen.

„Carola: Muh-kuhisch für Anfänger“ ein lustiges Vorlesebuch für kleine und große Bauernhoffans ab 4 Jahren.

 

Carola und der Löwenzahn
Endlich! Endlich war er da! Der Frühling! Carola hatte solange auf ihn gewartet und nun war er da. Sie genoss die Tage auf der Weide, genoss es an der frischen Luft zu sein, den Vögeln zuzuhören und das frische saftige Gras zu fressen. Es konnte eigentlich nicht besser werden.
Doch dann entdeckte Carola eines Morgens einen kleinen gelben Punkt am anderen Ende der Weide. „Muuhu?“, wunderte sie sich. Interessiert trabte sie darauf zu. Da stand doch tatsächlich eine kleine gelbe Blume. Ob man die wohl essen konnte? Carola beschnupperte die Blume. Sie roch lecker. Vorsichtig leckte Carola mit ihrer langen Zunge über die gelbe Blüte. „Muuh“, freute sie sich. Das schien ja wirklich ein besonderer Leckerbissen zu sein. Behutsam zupfte sie erst die Blüte und dann die Blätter ab. Hmmm, wie das schmeckte! Köstlich!
Unauffällig sah sie sich um. Sie blickte erst nach rechts und dann nach links. Ob die anderen Kühe auch schon bemerkt hatten, dass es auf der Weide so etwas Leckeres gab? Anscheinend nicht. Die anderen Kühe standen allesamt noch am anderen Ende der großen Weide. Carola blickte sich um.
Es musste doch noch mehr von diesen appetitlichen Pflanzen geben! Sie machte sich auf die Suche. Und tatsächlich, überall entdeckte sie plötzlich die kleinen leckeren Blumen. Zielstrebig huschte sie von hier nach dort und fraß genüsslich eine nach der anderen, immer bedacht darauf, dass die anderen Kühe nichts davon mitbekamen.
Als die Sonne hoch am Himmel stand hatte Carola alle gelben Blumen gefressen, die sie finden konnte. Sie schaute sich um. Nein, es war keine mehr zu sehen. Oder etwa doch? Ganz hinten am Zaun konnte sie noch etwas Gelbes leuchten sehen. „Muuh!“ Aufgeregt begab sie sich dorthin. Und wirklich, da stand noch eine gelbe Blume auf der anderen Seite des Zaunes! Größer und gelber als alle, die Carola bisher entdeckt hatte.
Carola streckte ihren Kopf durch den Zaun, um diese eine letzte Blume zu fressen. Doch sie konnte die Blume nicht erreichen. Carola streckte die Zunge aus, doch es half nichts. Sie stand zu weit weg. Carola zog den Kopf zurück und stampfte aufgeregt auf. „Muh!“ Das konnte doch nicht wahr sein! Irgendwie musste sie doch an diese eine letzte Blume herankommen.

 

Die Autoren:
Christoph Hermann wurde 1974 in Neuwied am Rhein geboren. Seine Kindheit verbrachte er damit, mit seinen Freunden die umliegenden Wälder und Bäche seines Heimatortes zu erkunden, wodurch sich eine tiefe Naturverbundenheit entwickelte.
Als Spross einer Handwerksfamilie erlernte auch er einen Handwerksberuf und führt seit 2001 ein erfolgreiches kleines Maschinenbauunternehmen in seinem Heimatort Rheinbrohl.
Seit dem zweiten Lebensjahr seiner Zwillingstöchter erzählt er ihnen jeden Abend eine, auf den Ereignissen des Tages aufbauende, Gute-Nacht-Geschichte.
Die Idee zu Carola kam ihm nach dem Besuch bei einem befreundeten Bauern. Seitdem spaziert Carola mehrmals die Woche in das Kinderzimmer. Und inzwischen sprechen alle Familienmitglieder – mit Ausnahme des Katers – fließend „muh-kuhisch“.

Download

 

 

Doris Hermann wurde 1977 in Bendorf am Rhein geboren. Nach ihrem Abitur studierte sie Grundschulpädagogik und Anglistik und verbrachte ein prägendes Jahr als Teaching Assistant auf der grünen Insel Irland.
Heute lebt sie mit ihrem Mann Christoph, den Zwillingstöchtern und dem Kater Balu in einem kleinen Ort am Rhein und übt ihren Traumberuf Grundschullehrerin aus.
Als großer Fan von Carola, der Kuh, schrieb sie die Geschichten ihres Mannes heimlich nieder, engagierte Heike Georgi als Illustratorin und veröffentlichte das Buch ohne das Wissen ihres Mannes.

 

 

 

Jetzt auch bei Facebook: www.facebook.com/carolas.muh-kuhisch

Hier dann auch noch der Link zu amazon: http://www.amazon.de/dp/B00NNV2IBW

Panikattacke Deluxe – Angst & Panik? Einfach drüber lachen von Romy Fischer

Panikattacke Deluxe – Angst & Panik? Einfach drüber lachen von Romy Fischer

( Tag 6 des Autoren-Adventskalender 2014 / Text und Bilder Romy Fischer )

10819080_719612901456139_333591776_n

Klappentext:
„Ein bisschen Psychiatrie schadet nie“, oder auch „Es gibt Menschen mit und ohne Diagnose, aber bekloppt sind wir alle“. Das sind die Leitsätze der Comedy-Autorin Romy Fischer. Krank sein und gleichzeitig lachen können? Das geht! Romy Fischer berichtet zum ersten Mal in ihrem Leben öffentlich von ihrer Panikstörung und den Folgen: wie sich ihr Leben dadurch veränderte, und wie unterschiedlich Menschen darauf reagieren, sobald sie von der Erkrankung der Autorin hören. Gleichzeitig sagt sie aber auch: „Wenn man das Leben nicht mit Humor nimmt, dann frisst das Leben einen auf.“ Und genau so verarbeitet sie ihre Erfahrungen in diesem Buch – mal ein wenig selbstironisch, mal böse sarkastisch, mal etwas verspielt. Sie will zum einen aufklären, über eine Erkrankung, deren Verbreitung mittlerweile großflächiger ist, als wir alle denken – nur die wenigsten outen sich – sie will Betroffenen Mut machen, und sie will ihre Erkrankung anderen Menschen gegenüber nicht länger vertuschen. Ein „Outing“ der ganz besonderen Sorte: Ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich’s völlig ungeniert!

Leseprobe:
Ich musste sofort aus diesem Tunnel heraus an die Erdoberfläche. Ich könnte jeden Moment umkippen. Zumindest hatte ich das im Gefühl. Mir war ohne Ende schwindelig und speiübel. Außerdem bekam ich kaum noch Luft. Und diese delikaten Gerüche in diesem Tunnel taten ihr Übriges dazu. Ich eilte zur Rolltreppe. Ich ignorierte, dass sie mit zig Menschen bis oben hin vollgestopft war, und dass der Weg über die normale Treppe vielleicht schneller hätte sein können. Ich schob mich also auf diese Rolltreppe und hatte die leise Hoffnung, während dieser rasanten Fahrt zusätzliche Geschwindigkeit aufnehmen zu können, wenn ich währenddessen die Stufen zusätzlich zu Fuß aufsteigen würde. Doch es war nicht möglich. Die Menschen standen überall kreuz und quer. Es gab keine freie Seite für die Fußgänger. Ich hätte durchdrehen können! Also stand ich da und sagte in Gedanken weiterhin mein Mantra auf. „Was sind schon zehn Minuten vom ganzen Tag oder des gesamten Lebens?“ Ich hielt mich seitlich am Laufband fest und überlegte mir, wie viele Keime gerade auf mich übersprangen. Wohl eine ganze Menge…
Ich zählte die Sekunden, bis ich Licht am Ende des Tunnels sah und endlich wieder frische Luft einatmen konnte, die durch Autoabgase ein wenig gewürzt und abgeschmeckt wurde. Ich hatte es geschafft! Eigentlich wäre es ein Grund zur Freude gewesen, wenn es nicht so selbstverständlich war, eine Station mit der U-Bahn zu fahren. Zig Millionen Menschen taten dies am Tag. Und keiner führte daraufhin Freudensprünge auf, zelebrierte eine Straßenparty und betrank sich aus Erleichterung in der Öffentlichkeit. Ich konnte mich gerade noch so beherrschen… Außerdem hatte ich noch ein weiteres Ziel. Und es hieß: den neuen Bio-Supermarkt plündern und über die Angebote herfallen!
Ich sah ihn schon von weitem. Die Eingangstür war mit dicken, fetten Luftballongirlanden in den unmöglichsten Farben geschmückt. Weiß und grün. Die einzig schlimmere Kombi wäre rot mit neonpink gewesen. Es flackerte vor meinen Augen. Draußen sah ich in die Angebotskörbe. Nichts für mich dabei gewesen. Ich steh nicht so auf Dinkelkekse, bei denen man sich zuerst die Kauleiste kaputt schreddert, und die wenig später im Mund zu stauben anfangen. Und Apfelsaft war auch nicht so mein Ding. Mit einer Fruchtsäureunverträglichkeit würde das unangenehme Folgen haben. Ich nahm mir eins dieser Prospekte aus dem Ständer vor der Tür und studierte es zügig durch. Es war das Standardprospektheft, keine extra Angebote, kein superbillig für mich. Ich war ein wenig enttäuscht und wollte eigentlich auch gerade wieder gehen, doch dann dachte ich mir so, dass die ganze anstrengende Fahrt von einer Station vollkommen umsonst gewesen wäre. Außerdem wäre es doch total schön, wenn ich wenigstens einen einzigen Artikel kaufen würde und diesen wie eine Art Trophäe mit nach Hause schleppen würde – als Zeichen wie es manch ein Teenager mit einem Edding an Klowänden macht: „Ich war hier am…“ Dumm war halt in diesem Fall nur, dass Lebensmittel ein Verfallsdatum haben. Aber das war mir in diesem Moment egal. Ich brauchte unbedingt eine Trophäe. Also betrat ich diesen brandneuen Bio-Supermarkt. Kaum hatte ich ein paar Schritte in dieses Gebäude gewagt, sprang wie aus dem Nichts eine Verkäuferin auf mich zu: „Herzlich willkommen in unserem neuen Bio-Supermarkt. Hier können Sie an unserem Gewinnspiel teilnehmen.“ Sie drückte mir einen Zettel in die Hand, auf dem irgendwelche Graphiken gedruckt waren mit Pfeilen und so weiter, wie eine Art Zirkel. „Sie können an unterschiedlichen Stellen unseres Supermarktes an kleinen Spielchen teilnehmen, und wenn sie es bestanden haben, dann bekommen Sie einen Marienkäfersticker. Und wenn Sie alle Sticker auf dem Zettel haben, dann können Sie am Gewinnspiel teilnehmen.“
Was es tatsächlich zu gewinnen gab, hatte ich mir nicht gemerkt. Die Panik hatte schon nach der ersten Sekunde eingesetzt, in der sie auf mich zugesprungen kam. Mein Herz blieb im ersten Moment stehen und fing dann an zu rasen, als ob es auf der Flucht war. Ich nahm den Zettel in die Hand, nickte und lächelte die ganze Zeit freundlich, bis sie ihren Text fertig runtergeleiert hatte, und dann dachte ich, ich könnte aufatmen und erleichtert und in Ruhe durch den Bio-Supermarkt schlendern. Doch kaum war ich zwei Schritte weitergegangen, da sprang auch schon die nächste Verkäuferin wie aus dem Nichts auf mich zu: „Und in diesem Korb können Sie alle Lebensmittel sammeln, bis Sie zur Kasse kommen.“ Sie drückte mir übermäßig freundlich lächelnd einen Einkaufskorb in die Hand. Ich lächelte ebenso übermäßig freundlich zurück, weil man möchte ja nett sein. Der einzige Unterschied bestand darin, dass ich mir im Gegensatz zu ihr, die Zähne nicht so dermaßen gebleicht hatte, dass ich meinem Gegenüber förmlich die Netzhaut von den Augen brutzeln konnte. Ob das alles wirklich Bio war… Ich weiß ja nicht… Ich nahm den Korb entgegen und hoffte auf Erlösung.
Diese Attacke war wie diese klassischen Geburtstagspartys, für die man seine gesamten Freunde am liebsten umbringen würde, da sie im Dunkeln auf einen warten, bis man den Raum betritt und sie mit einem lauten „Überraschung!!!“ über einen herfallen können.
„Beim nächsten Mal bitte lauter! Mein Herz schlägt immer noch!“
Meine Atmung wurde schon wieder schwerer, mein Herz pumpte, was das Zeug hielt. Von meinem Adrenalin mochte ich gar nicht mehr sprechen. Und eigentlich wollte ich gar keinen Korb mit mir durch diesen Laden schleppen. Da es kaum andere Kunden zu diesem Zeitpunkt im Laden gab, war alles sehr übersichtlich. Insbesondere Kunden, die sich mit einem leeren Korb an der Kasse vorbeidrängelten. Und da die Verkäuferinnen an diesem Tag sehr aufdringlich waren, hatte ich Bedenken, dass vielleicht am Ende noch die Frage aufgetaucht wäre: „Na, heute nichts dabei gewesen für Sie?“ Eine gruselige Vorstellung. Ich wollte mit niemandem reden und bestenfalls auch von niemandem angeguckt werden. Das einzige, was ich wollte, war, im Schnelldurchlauf ganz gemütlich durch diesen bekloppten Bio-Supermarkt schlendern, rasend nach einer Trophäe grabschen und nach dem Bezahlen schnellstmöglich wieder rausstürmen, sich auf dem hoffentlich zügig vorrübergehenden Heimweg stolz wie Oskar fühlen und den Rest des Tages zu Hause feiern, dass ich diese selbstverständliche Kleinigkeit von insgesamt rund 30-40 Minuten am Morgen geschafft hatte. Das sollte schließlich nicht zu viel verlangt sein. Auf der rechten Seite waren ein Bäcker und eine Käsetheke, auf der Probierhäppchen aufgebahrt waren. Die Verkäuferin lächelte mich schon so verdächtig aus der Entfernung an. Ich schaute sofort ins gegenüber liegende Regal und tat so, als ob ich etwas höchst Interessantes entdeckt hätte. Ich nahm eine Packung Bio-Knäckebrot in die Hand und ließ die Käseverkäuferin damit wissen, dass ich gerade die Zutatenliste durchlesen würde, wie fast alle Kunden in einem Bio-Supermarkt, die zudem noch an zig Lebensmittelunverträglichkeiten litten. In Wirklichkeit interessierte mich dieses blöde Bio-Knäckebrot nicht die Bohne. Ich legte die Packung wieder zurück ins Regal und merkte mir einzig und allein: Es war ohne Gluten. Ich ging zügig weiter, den Blick immer noch auf die Artikel in dem Regal gerichtet. Alles nur deshalb, um nicht von dieser Käsefrau angequatscht zu werden. Kaum war ich weg von ihr und kam an einem Rondell an, an dem sich viele Regale und Gänge kreuzten, sprang mir schon wieder so eine wilde Hummel von Bio-Verkäuferin ins Gesicht – einzig und allein um mich zu fragen, ob ich denn Punkte sammeln würde. An diesem Computer, auf den sie zeigte, könnte ich meine Sammelkarte einlesen, meinen Punktestand abfragen und gegebenenfalls einen Einkaufsgutschein ausdrucken lassen. Ob sie mir denn behilflich sein könnte, mir den Computer zu erklären.
Wenn sie weiter so gemacht hätte, hätte sie mir sehr bald bei was ganz anderem behilflich gewesen sein können… Ich wollte keine Punkte, ich wollte keinen Computer. Ich lächelte sie freundlich an, schüttelte mit dem Kopf und ging rasch weiter. Und in diesem Moment wurde mir eines klar: dieser Bio-Supermarkt war die Hölle! Vom Satan höchst persönlich beauftragte Gesandte waren vor Ort, um mich fertig zu machen. Bio war nur das Lockmittel. Bio war der verbotene Apfel der Sünde. Manchmal liebte ich die Sünde. Doch in diesem Moment waren es Höllenqualen, denen ich ausgesetzt war. Um meine Panik etwas zu dämpfen, sagte ich innerlich immer wieder mein Super-Bio-Mantra auf: „Im Knäckebrot war kein Gluten. Im Knäckebrot war kein Gluten.“
Im nächsten Gang sah ich bereits aus der Entfernung einen kleinen Stand, an dem man Marienkäfer-Punkte in Form von furchtbaren Aufklebern sammeln konnte. Man musste dort irgendetwas machen. Was genau es war, konnte ich von meinem Standpunkt aus nicht sehen. Aber ich wollte dieses Zirkeltraining für Wahnsinnige sowieso nicht mitmachen. Ich wollte einzig und allein meine Trophäe und bis dahin immer wieder in Gedanken aufsagen, dass im Knäckebrot kein Gluten war. Die Verkäuferin lächelte mich an. Auch sie schien von einer traditionellen Bio-Zahnpasta nichts zu halten. Mit ihren gebleechten Zähnen hätte man eine ganze Sporthalle ausleuchten können. Ich verbiss mich wieder scheinbar höchst interessiert an den Artikeln im Regal: Ich war nun bei veganen Babybreichen angekommen. Tiefer konnte man nicht sinken! Echt nicht! Direkt darunter befanden sich die super saugfähigen Öko-Windeln, die in einem dezenten hellgrau gehalten wurden. Sie erinnerten mich an das frühere Öko-Toilettenpapier, das so rau war, dass man sich damit sehr wahrscheinlich die Hämorriden hätte wegschleifen können. Ich hoffte für die Babys, dass weniger Öko in den Windeln drin war, wie auf der Packung beschrieben. Mehr Plastik mit künstlichen Weichmachern an den Babyhintern! Und das Knäckebrot war ohne Gluten… Neben mir griff eine Frau in Latzhose mit rostrot gefärbten Rastazöpfen ins Regal und legte zig Gläschen der Sorte Tofu-Zucchini-Tomate in ihren Einkaufskorb. „Das arme Kind“, dachte ich im Stillen. „Ob das Jugendamt wohl davon Kenntnis hätte?“ Zu allem Überfluss legte sie noch eine Packung dieses Schmirgelpapiers oben drauf und verschwand wieder. Ich war entsetzt und erinnerte mich daran, dass das Knäckebrot definitiv ohne Gluten war. Einmal tief ein- und wieder ausatmen. Dieses verfluchte Knäckebrot…
Aus dem Blickwinkel heraus bemerkte ich plötzlich, wie sich die Verkäuferin hinter ihrem Stand bückte und in irgendeiner Kiste herumkramte. Diesen Moment nutzte ich sofort, um an ihr vorbeizulaufen und sofort in den nächsten Gang zu kommen. Ich wusste bis zu diesem Zeitpunkt gar nicht, wie schnell ich sein konnte. Dort war auch wieder ein Stand aufgebaut. Doch er war nicht besetzt. Ich eilte dran vorbei, um das drohende Unglück zu verhindern. Ab in den nächsten Gang. Nun stand ich vor der Tiefkühltruhe. Ich hatte die Wahl zwischen Pizza mit Ziegenkäse und Schokoeis aus Sojamilch. Ich entschied mich für keins der beiden. Allein der Gedanke, Ziegenkäse essen zu müssen, sorgte für Übelkeit. Und der Gedanke an Sojamilch-Schokoeis sorgte für Brechreiz. Keins der beiden wäre also eine Trophäe, mit der ich stolz diesen Laden hätte verlassen können, falls das überhaupt jemals möglich war. Ich ging um die Truhe herum zu den Kühlregalen. Hier war ich definitiv auf der richtigen Seite. Doch ich konnte mich nicht entscheiden, was ich nehmen sollte. Zur linken Seite hin warteten Süßigkeiten und Gebäck. Allerdings war auch dort wieder so ein beschissener Stand aufgebaut mit einer Verkäuferin, die einem unbedingt Marienkäferpunkte für das Gewinnspiel aufschwatzen wollte. Sie starrte mich förmlich an und wartete darauf, dass ich endlich in ihre Nähe kam. Ich jedoch wartete darauf, dass endlich ein anderer Kunde in ihre Nähe kam, damit sie abgelenkt war und ich an ihr vorbeihuschen konnte. Doch es kam ewig niemand. Ich fühlte mich so verloren… Wieder kroch die Panik in mir hoch. KNÄCKEBROT! KNÄCKEBROT! KNÄCKEBROT!
Es kam weiterhin niemand. Also hatte ich die Wahl, dort stehen zu bleiben und von ihr angeglotzt zu werden mit den Gedanken, dass ich wohl bekloppt wäre, oder ich verhinderte diesen langsam entstehenden Eindruck und tat was – irgendetwas! So kam es dazu, dass ich vollkommen in Gedanken versunken die eine von zig Türen zum Kühlregal öffnete und langsam aber sicher einen Artikel nach dem nächsten in meinen Einkaufskorb legte. Ich hatte diese Verkäuferin immer stets im Blickwinkel und hoffte darauf, dass sie mich nicht in die Pleite trieb… In meinem Einkaufskorb landeten unterdessen Tofuwürstchen, Sojaschnitzel Wiener Art, Soja-schnitzel mit Blattspinat gefüllt, Sojanuggets, ein Seitanbratstück und noch einmal Tofuwürstchen – dieses Mal mit Currygeschmack! Ich hatte gar nicht genug Bargeld mit und hoffte, dass ich an der Kasse auch mit EC-Karte bezahlen konnte. Irgendwann hielt ich es nicht mehr aus! Ich wollte hier raus! Und zwar sofort! Ich nahm Anlauf und wollte gerade an der Verkäuferin vorbeisprinten, da stoppte sie mich, indem sie mir einen Probierteller mit Schokolade vor die Nase hielt. „Möchten Sie einmal unsere Schokolade probieren? Beste Bio-Qualität. Etwas ganz Feines.“
Ich war kurz vor einem Heulanfall.
„Gefangen im Bio-Supermarkt“ – der neue Horrorfilm – demnächst in Ihrem Kino.
Ich griff im Regal neben mir nach den Dinkelkeksen, die ich nie wollte, und legte sie direkt vor ihren Augen in meinen Korb, damit sie sah, dass ich auch bloß etwas aus ihrer Abteilung kaufte. Ich raunte ein „Kuhmilchunverträglichkeit“ heraus und wollte gerade weiterlaufen bis zur Kasse, da versuchte sie, mich in ein Gespräch zu verwickeln.
„Das ist aber schade, wenn man so etwas hat. Dann verpasst man ja dieses Wunderschöne, Feine hier…“ Sie zeigte mit ihren Fingern – und sie trug weiße Stoffhandschuhe wie bei einer Putzkontrolle – auf ihre blöde Schokolade, mit der sie mir tierisch auf den Zeiger ging. Diese Schokolade war gerade im Begriff, mir eine noch schlimmere Panikattacke zu verpassen. Ich hätte dieser Frau am liebsten eine Packung Knäckebrot an den Kopf geknallt. Schließlich war es ohne Gluten. Und das sollte sie sich mal merken!
„Hmmm…“ fiepte ich ihr entgegen. Ich hatte ihr ohnehin nichts weiter zu sagen. Dann gab ich Fersengeld. An der Kasse angekommen, legte ich alles aufs Laufband. Ich war nicht unbedingt zufrieden mit der Ausbeute des Tages. Aber für mich gab es auch keinen Weg zurück. Sonst hätte ich wieder an der Schoki-Mutti vorbeigemusst. Ich staunte nicht schlecht. In diesem Bio-Supermarkt gab es tatsächlich jemanden, der einem die Artikel in Einkaufstüten verpackte. In allen anderen Supermärkten in Deutschland sollte man bezahlen und dann gefälligst zu sofort seinen dicken Hintern von der Kasse bewegen – egal wie! Es gab niemanden, der einem alles verpackte und anschließend künstlich grinsend in die Hand drückte. Aber dort gab es diesen Service. Toll! Der Kassierer fragte mich, ob ich Punkte sammeln würde. Ich atmete tief ein und aus. Vor meinen Augen verschwamm mittlerweile alles. Ich schüttelte mit dem Kopf, denn an Sprechen war schon fast nicht mehr zu denken. Ich presste ein „Danke“ und „Tschüss“ aus meiner Kehle und hoffte, nun endlich gehen zu können, doch diese Frau rückte meine Tüte nicht raus. Ich griff nach ihr, aber sie hielt sie fest. Ey, ich hatte dafür bezahlt! Ich wollte sofort diese dämliche Tüte haben! Es kam eine weitere Verkäuferin Marke Chemie-Studentin auf mich zu mit einem Chip in der Hand.
„Sie haben jetzt die Möglichkeit, einen Euro zu spenden, und zwar an ein Projekt Ihrer Wahl.“
„Wollt ihr mich denn hier alle umbringen???“ dachte ich im Stillen. „Ich will hier raus!!!“ Ich presste mir ein leicht verstörtes Lächeln ins Gesicht und nickte mit dem Kopf. Ich hasste mich im selben Moment schon dafür. Die beiden schoben mich ans Schaufenster. Während dessen hielten die Verkäuferin und ich zusammen an dieser Tüte fest. Im Schaufenster waren drei durchsichtige Röhren aufgebaut mit Schildern, auf denen Erklärungen standen, für welches Projekt man spenden konnte. Jeder Chip war ein Euro wert, wie mir erklärt wurde. Man selbst wurde gar nicht zur Kasse gebeten, denn der Shop selbst würde dies für seine Kunden über-nehmen. Ich hatte die Wahl zwischen einem Naturschutz-Öko-Verein, einem Kinderkrankenhaus, oder aber ein Projekt für Menschen mit Behinderung. Mit meiner letzten Kraft und schweißüberströmt stöhnte ich – und das leider gar nicht mehr so leise und unauffällig: „Ich nehm die Behinderten!“ Ruckartig entriss ich der einen meine Einkaufstüte und war aus dem Laden verschwunden. Meine Panik war mittlerweile so schlimm, dass ich selbst nicht mehr an das scheiß beschissene glutenfreie Knäckebrot denken konnte. Doch am Ende des Tages war mir eines klar: Ich hasste Knäckebrot! Besonders dann, wenn es ohne Gluten war!

Nun war ich mittendrin in einem Leben mit einer Panikstörung. Sie war nicht willkommen, aber sie nistete sich einfach ein, schmarotzte sich so durch und stellte mein ganzes Leben auf den Kopf…

Panikattacke Deluxe – Angst & Panik? Einfach drüber lachen
144 Seiten, BoD Verlag, ISBN: 978-3732292912, Preis: 9,90 Euro

 

Video Buchtrailer:

https://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=9l0IxSV4lzk#t=0

 

Video Lesung:

https://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=zkPVZaCWDI4#t=0

Autorenvorstellung:

10818988_719612904789472_571882447_n

 

 

Romy Fischer, 1981 geboren, aus Hannover – oder auch Hangover City genannt, die Stadt, in der keiner tot überm Zaun hängen möchte. Sie arbeitet als so genannte (Überlebens-)Künstlerin, und ihr Motto lautet stets: „Tschakka, du schaffst es!“ Schon sehr früh zog es sie zum Schreiben, da sie von allem, was um sie herum passierte, so fasziniert war, dass sie es in ihren eigenen Worten und in ihren eigenen Denkweisen verarbeitet festhalten wollte. Humor steht bei ihr ganz groß geschrieben, denn das Leben sei oftmals viel zu ernst, als dass man nicht ständig drüber lachen sollte, sagt sie.

 

 

 

Ihre bisherigen Veröffentlichungen:
– Die Esoterik Macke (BoD, 2012)
– Das Horrorskop (BoD, 2012)
– Die Leiden einer jungen Ebay-Verkäuferin (BoD, 2012)
– Panikattacke Deluxe – Angst & Panik? Einfach drüber lachen (BoD, 2014)
– Sternzeichengeschichten (Anthologie; Net-Verlag, 2014)
– Die schöne Frau und das Ungeheuer (Anthologie; Net-Verlag, 2014)
– Eine Seele aus Flammen – Phönix (Anthologie, Net-Verlag, Februar 2015)
– Aus meiner Feder – Berührungen (Anthologie; Elbverlag, 2015)

 

El Niño – Der Lust verfallen von Lea Petersen

El Niño – Der Lust verfallen von Lea Petersen

( Tag 5 des Autoren-Adventskalender 2014 / Text und Bilder Lea Petersen)

Cover_groß_Der_Lust_verfallen

 

Ein kleiner Einblick:
Milia hielt den Atem an, als sie in die tiefblausten Augen schaute, in die sie je geblickt hatte. Die sind Dir eben vor lauter grenzdebilem Grinsen gar nicht aufgefallen! Mit einer rauen Stimme sagte der Mann auf dem Barhocker: “Atme!” Milia atmete tief durch und nahm die ihr entgegen gestreckte Hand in ihre. Es war ein Gefühl als ob ein elektrischer Schlag durch sie fuhr. Beide schauten sich verblüfft in die Augen. Mit dieser rauen Stimme sagte er auf Englisch mit leicht spanischem Akzent: “Verrätst Du mir Deinen Namen? Ich bin Hernando.” …

„El Niño – Der Lust verfallen“ ist der erste Teil meiner „El Niño“-Trilogie. Das Buch handelt von der Geschichte von Milia – eine alleinerziehende und von der Liebe desillusionierte Mutter – die durch einen Zufall auf Hernando – den Musiksuperstar „El Niño“ und Frauenheld par excellence trifft. Es geht um den magischen Moment, der das Leben komplett verändern kann und um das, was Menschen, die diesen erleben daraus machen. Aber lest doch einfach selbst.
Ich selbst bin eine richtige Leseratte und hätte nie gedacht, dass ich mal auf der „anderen Seite“ zu finden sein werde. Ich schreibe erst seit Anfang 2013. Alles, was es dafür brauchte, war ein Foto, eine Geschichte, die plötzlich in meinem Kopf war und der Zuspruch einer guten Freundin und dann ließ mich das Schreiben nicht mehr los. Mittlerweile sind es drei Bücher geworden – die gehören ja zu einer Trilogie – und im Moment bin ich auf Wunsch einer Leserin dabei, die Geschichte aus Hernandos Sicht aufzuschreiben. Was letztendlich daraus wird, weiß ich noch nicht.
Ich wünsche euch viel Glück bei der Teilnahme an Sonjas Adventskalender und danke dir nochmal dafür, dass du dabei an mich gedacht hast, liebe Sonja.