OMMYA von Dennis Blesinger

OMMYA von Dennis Blesinger

( Tag 20  des Autoren-Adventskalender 2014 / Text und Bilder Dennis Blesinger)

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OMMYA:

1000 Welten – Sieben Siegel – Armageddon

Der Organisation für Magie und Mystische Angelegenheiten kommt ein sagenhaftes Buch abhanden. Damit jedoch nicht genug. Auf einmal wandern die Toten wieder durch die Straßen.

Die Agenten René  und Jochen sowie die Polizistin Rebecca haben nicht weniger zu tun, als die Welt zu retten. Dafür müssen sie nicht nur das Buch finden – sie sollten auch herausfinden, wer oder was die Vorgänge eigentlich ausgelöst hat.

Armageddon steht bevor.

Oder vielleicht auch das altnordische Ragnarök. Da sind sich die Beteiligten noch nicht so ganz sicher.

Aber sie müssen es aufhalten.

Und wenn sie sich dafür mit den Göttern anlegen müssen…

 

 

Prolog

Die drei Angestellten der Stadtverwaltung waren rechtschaffen verwirrt. Die Höhle, in der sie sich befanden, hätte überhaupt nicht existieren dürfen.

Als bei den Vorbereitungen zu den Bauarbeiten für ein Gewerbegebiet vom Fund einer natürlichen Grotte berichtet worden war, hatte dies bereits zu einiger Verwunderung geführt. Kein existierendes geologisches Gutachten hatte auf sie verwiesen, sie tauchte auf keiner Karte auf, und die fünfzehn Meter Granitgestein, die über ihr lagerten, hätten schon vor Urzeiten dazu führen müssen, dass sie zusammenbrach.

Als dann das Team der Stadtverwaltung eine Begehung vor Ort in Angriff nahm, war allen schnell klar geworden, dass der ursprüngliche Bericht nicht das Papier wert war, auf dem er geschrieben stand.

Seit mehr als zwei Stunden wanderten sie nun schon durch die unterirdische Dunkelheit, und ein Ende des Systems von Höhlen, Grotten und Kavernen war nicht abzusehen. Das Ganze hatte die Ausmaße einer kleinen Stadt!

»Wie ist es möglich, dass das hier bisher noch niemand entdeckt hat?« Schubert setzte sich auf den nächstbesten Stein und blickte sich um. Das Ende der Kammer, in der sie sich befanden, war durch den Schein der Petroleumlampen, von denen sie in weiser Voraussicht drei mitgenommen hatten, nur zu erahnen. Seiner Zählung nach war es die neunte Höhle dieses Systems. Sein Kollege Volkwartz schüttelte den Kopf.

»Ich habe keine Ahnung. Aber wir müssen langsam zurück. Wenn wir noch weitergehen, finden wir hier bald nicht mehr raus.« Er blickte sich um. »Wo ist Schmidt?«

Beide hielten ihre Laternen hoch, um die nähere Umgebung zu beleuchten. Volker Schmidt, der momentane Auszubildende der Abteilung, war nirgendwo zu sehen.

»Wenn der sich verlaufen hat, bring ich ihn um!«

Schubert erhob sich mit einem leisen Stöhnen. Die Feuchtigkeit hier unten machte seinen Gelenken zu schaffen, und er musste sich eingestehen, dass er für derartige Expeditionen langsam zu alt wurde. Darüber hinaus hatte keiner von ihnen das passende Schuhwerk, geschweige denn andere Ausrüstung oder gar Verpflegung bei sich. Wenn sie hier unten verunglückten, würde es Tage dauern, bis sie jemand fand. Langsam folgte er Volkwartz in die Richtung, in die sie den vermissten Kollegen hatten gehen sehen. Sie waren weniger als zwanzig Meter weit gekommen, als sie ihn fanden.

»Schmidt, Sie Idiot!«, entfuhr es Schubert erleichtert. »Sie können nicht einfach allein drauf los … Heilige Scheiße, was ist das denn?«

Der Grund für den eher untypischen Ausruf von Michael Schubert war derselbe, wegen dem der Auszubildende Schmidt seit mehr als fünf Minuten steif wie ein Brett dastand, unfähig, eine Bewegung auszuführen.

In der Mitte der Höhle, an deren Eingang sich das Trio jetzt befand, stand eine Tür.

Genaugenommen handelte es sich um ein Tor, und zwar eines mit Doppelflügeln, einem halbrunden eisernen Torbogen, der die beiden Flügel umschloss und mit seinen Ausmaßen von fast sechs Metern Höhe und dreieinhalb Metern Breite in der hallenartigen Kaverne irgendwie deplatziert wirkte. Dieser erste Eindruck wurde von dem schwachen rötlichen Schimmer verstärkt, der durch den schmalen Spalt zwischen den Türflügeln drang, sowie der Tatsache, dass das Tor nicht nur mitten im Raum, sondern auch wenige Zentimeter über dem Boden schwebte. Letzteres war jedoch eine Feinheit, die zumindest den beiden Neuankömmlingen vorerst entging.

»Was zum Teufel ist das?«

Ohne eine Antwort abzuwarten, schritt Rainer Volkwartz langsam auf das Gebilde zu. Wenige Sekunden später folgte ihm Schubert. Volker Schmidt überlegte einige Sekunden lang, ob er es den beiden nachtun sollte, entschied sich aber dagegen. Irgendetwas sagte ihm, dass das, was sich auf der anderen Seite der Tür befand, und damit auch die Tür selbst, besser in Ruhe gelassen werden sollte.

»Was ist das für ein Leuchten?«, hörte er Schubert fragen. Seine beiden Kollegen hatten die Tür nun umrundet und standen wieder direkt davor. Schmidt machte einen vorsichtigen Schritt rückwärts.

»Keine Ahnung«, lautete die Antwort. Noch ein Schritt. »Aber es gibt wohl nur eine Möglichkeit, das herauszufinden, oder?«

Der Hechtsprung zur Seite, den Volker Schmidt vollführte, brachte ihn auf die andere Seite der Wand. Dies beraubte ihn zwar der Sicht auf das, was nun folgte, führte aber dazu, dass er – im Gegensatz zu seinen Kollegen – seine körperliche Existenz in einem Stück fortführen konnte. Kaum, dass er den Sprung mit einer improvisierten Hechtrolle beendet hatte, hörte er etwas, das irgendwo zwischen einem Grollen und einem Knurren lag.

Volkwartz, der die Tür nur einen Spaltbreit geöffnet hatte, blickte fassungslos auf das, was er sah. Bevor er auch nur einen Laut von sich geben konnte, wurden die Flügel der Tür aufgestoßen. Die Feuerwalze, die durch das Tor schoss, füllte die Höhle mit einem Gemisch aus Glut, Phosphor und Schwefel. Alle diese Elemente waren der fortwährenden Existenz der menschlichen Daseinsform extrem abträglich, wie Rainer Volkwartz und Michael Schubert allzu deutlich bewusst wurde, bevor sie nach weniger als einer Sekunde verdampften.

Als das Inferno um ihn herum langsam zur Ruhe gekommen war, wagte es Volker Schmidt schließlich, den Kopf zu heben. Langsam stand er auf und klopfte sich dabei Asche und Ruß von der Kleidung.

Die Geräusche, die aus der Höhle zu hören waren, deuteten darauf hin, dass die Tür nach wie vor offen stand und das, was auch immer für den gerade erfolgten Feuersturm verantwortlich zeichnete, immer noch anwesend war.

Vorsichtig schob er den Kopf um die Ecke. Er machte sich keine Illusionen, dort seine Kollegen vorzufinden. Nichts Organisches konnte diese Temperaturen unbeschadet überstehen. Was er sah, waren vielmehr zwei große hornige Klauen, die gerade dabei waren, die beiden Flügel der Tür zu packen und langsam, aber bestimmt zu schließen. Kurz bevor die Tür mit einem lauten Krachen zufiel, erhaschte er einen kurzen Blick auf etwas, das sein Gehirn notgedrungen als Auge identifizierte. Gelb, reptilienartig und etwa zwei Meter im Durchmesser, blinzelte es ihn zornig an, bevor es seinen Blicken entzogen wurde.

Als Volker Schmidt wieder fähig war, eine Bewegung auszuführen, schritt er langsam auf die Doppeltür zu und hob, dort angekommen, ein Stück Kohle vom Boden auf. Langsam arbeitete er sich damit über die beiden Flügel der Tür. Schließlich machte er einige Schritte zurück, um sein Werk zu begutachten.

 

Hier gibt es Drachen!

Nicht öffnen!

 

Es fehlte dem Ganzen irgendwie ein gewisses Maß an Professionalität, wie er fand, aber es musste reichen, bis er ein richtiges Schild auftreiben konnte.

Auf dem Weg nach draußen wurden ihm zwei Dinge bewusst. Zum einen war er gerade zum einzigen Mitarbeiter seiner Abteilung und damit quasi zu deren Leiter aufgestiegen. Diese Überlegung wurde jedoch deutlich in die zweite Reihe verwiesen, als er begann, darüber nachzudenken, wie er das gerade Geschehene in seinem Bericht formulieren sollte. Die Zukunft versprach in jedem Fall sehr interessant zu werden.

 

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Dennis Blesinger wurde 1972 in Hamburg geboren, wo er heute noch lebt. Er hat zwei  Studiengänge begonnen und beide erfolgreich abgebrochen. Nach zwölf Jobs in zehn Jahren, die vom Tankwart, über Call Center Agent bis hin zum Marine Personell Assistant reichten, hat er nach etwas mehr als zwanzig Jahren endlich seinen ersten Roman an den Verlag bringen können.

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