Die Rebellin von Koron von Susanne Esch

Die Rebellin von Koron von Susanne Esch

(Tag 11  des Autoren-Adventskalender 2014 / Text und Bilder Susanne Esch)

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Solifera

Als alles seinen Anfang nahm

WIE EIN GLUTROTER FEUERBALL sank die Sonnen-scheibe dem Wasserspiegel entgegen. Ihre Strahlen tauchten die Oberfläche des nur in sanften Wellen dahinplätschernden Meeres und die über ihr in bizarren Formen treibenden Wolken in ein faszinierendes, kurioses und unbeschreibliches Farbspektrum zwischen Sonnenblumengelb und dunkelstem Bordeaux. Flammen schienen am Horizont emporzulodern, den Feuerball einzuhüllen. Wollte die licht- und wärmespendende Kugel mit diesem grandiosen Feuerwerk für immer ihren Abschied nehmen? Tiefer und tiefer glitt sie, zog die hellen Farbtöne mit sich, verwandelte das Ende des sichtbaren Himmels in einen Ozean aus Blut und Lava. Langsam, so langsam, dass die einsame Gestalt, die reglos auf der höchsten Düne des einsamen Strandes stand, das Schauspiel in all seiner ehrfurchtgebietenden Schönheit verfolgen konnte, veränderte sich das Bild. Wie aus den Unendlichkeiten des Alls schoben sich dunkle Schwaden in das leuchtende Rot, verwischten es, überdeckten es, und brachten es schließlich ganz zum Erlöschen. Ein letztes aufbegehrendes Auflodern, dann versank die Sonne endgültig unter den Wasserteppich. Auch ihre sich wie ein aufgeschwungener Fächer zum Halbkreis ausstreckenden Strahlen konnten das allmähliche Verglimmen nicht verhindern. Die Dämmerung zog herauf, und wo vor ein paar Minuten noch ein heftiger Kampf um die Vorherrschaft getobt hatte, setzte sich nun die Nacht mit ihrer alles einschließenden Dunkelheit gegen das Licht des Tages durch. Samtblau mit unendlich vielen Sternen legte sie sich wie eine Decke über das Land.

 

 

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Der Savant von Innis

__YURO__ Vorsichtig kroch Yuro aus der kleinen Schlaf-nische, die er einst mit viel Mühe in den roten Felsen gehauen hatte und die seitdem sein einziger Rückzugsort war. Stille war um ihn herum, denn es war tiefste Nacht. Außer ihm selbst gab es in diesen Mauern wohl keinen, der den Mut aufgebracht hätte, die Gesetze der Bruderschaft zu missachten und die Schlafstelle zu verlassen.

Es war weder das erste noch das zweite Mal, dass Yuro gegen die hiesigen Regeln verstieß. Er tat dies nicht, weil er die Mönche ärgern oder die herrschende Disziplin untergra-ben wollte, sondern weil er nicht anders konnte. Lange Zeit hatte er versucht, sich an die Gebote des Klosters zu halten, dies aber war ihm zunehmend unmöglich geworden, beson-ders nachts.

Immer häufiger war er aus dem Schlaf geschreckt, die Bil-der seiner Träume beständig vor Augen. Immer seltener war es ihm gelungen, durch Meditation die nötige Ruhe zurück-zuerlangen, um wieder einschlafen zu können. So war er, es musste Jahre her sein, eines Nachts zitternd aus seiner Nische gekrochen, den langen Gang entlanggeschlichen und durch das schwere, hölzerne Tor geschlüpft, das auf den weitläu-figen Hof hinaus führte. Moruk, Ilar und Pun, die drei Mon-de, die den Planeten Innis umkreisten, hatten in ihrer ganzen Pracht am Firmament gestanden. Ihr weiches Licht hatte ihn gestreichelt, ihre Beständigkeit ihn beruhigt – und irgend-etwas hatte ihn berührt. Seitdem zog es ihn immer wieder in die Dunkelheit.

Yuro hatte versucht, mit Meister Uruma über seine Emp-findungen zu reden. Dieser hatte ihm zwar aufmerksam zu-gehört, aber kein Verständnis für die daraus resultierenden Verstöße aufzuwenden vermocht und seine innere Zerrissen-heit schließlich mit seinem schlechten Gewissen begründet. Stundenlange Meditationsübungen waren die Sanktion gewe-sen, der er sich daraufhin unterwerfen musste. So hatte Yuro Abstand davon genommen, den Brüdern, wie er es eigentlich gewohnt war, von seinem Gemütszustand zu berichten.

Es war schwer für ihn geworden, sich wie immer innerhalb der Gemeinschaft zu bewegen. Von Tag zu Tag fühlte er die Veränderungen und seine Andersartigkeit deutlicher. Alles, was während seiner Kindheit so einfach und selbstverständ-lich erschien, begann, ihm mehr und mehr Kraft abzuverlan-gen. Er konnte die Dogmen des Klosterlebens nicht mehr hinnehmen, ohne sie zu hinterfragen. Viele Rituale verloren ihren Sinn, spendeten weder Geborgenheit noch Trost oder Ruhe, sondern brachten etwas in ihm zum Schwingen, das er erst nach und nach als Rebellion und Wut einzuordnen im Stande war. Alles in ihm begann, sich gegen die klaren Linien und das vorgezeichnete Leben innerhalb dieser Mauern zu wehren. Je mehr er sich bemühte, den inneren Trotz in den Griff zu bekommen und ihn zu unterdrücken, desto brachia-ler suchte dieser sich einen Weg nach außen, verleitete ihn zu Handlungen, die allem, was er bisher erlernt hatte, zuwider liefen. Einzig harte körperliche Arbeit vermochte ihm Ablen-kung zu verschaffen. Deren meist gleichförmige, monotone, sich beständig wiederholende Abfolge brachte gelegentlich auch seinem Geist ein wenig von der Ruhe zurück, die er mehr und mehr entfliehen fühlte.

Ob seinen Mitbrüdern dies alles tatsächlich entging?

 

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Die Rebellin von Koron

_Eine Entscheidung reift heran  Bebend vor Wut lag Kayana auf ihrem Bett. Immer wieder schlug sie mit ihren Fäusten erbarmungslos auf ihr Kissen ein. Was sie vor wenigen Minuten durch Zufall gehört hatte, trieb glühende Wellen flackernden Zorns durch ihre Adern. Ihr Vater Ellmaat wollte sie zur nächsten Sonnenwende verheiraten! Nicht nur, dass sie gerade erst dreizehn Jahre alt war, nein, er wollte sie auch noch einem Mann zur Frau geben, der ihr Großvater hätte sein können.

Elim von Stacklat, Herr über die an Simion angrenzende Domäne, sollte ihr Gatte werden. Er lebte in einer düsteren, aus den Felsen herausgehauenen Burg, die wie eine drohende Faust in den Himmel ragte. Von dort aus herrschte er mit Strenge und Unnach­gie­big­keit. Auch sein aufbrausendes Temperament und seine Grausamkeit waren weit über die Gren­zen seiner eigenen Besitztümer hinaus bekannt und berüchtigt.

Wieder durchrann sie eine siedend heiße Woge. Selbst wenn sie, weil weib-lich, dem Gesetz nach eine rechtlose Kreatur war und ihrem Vater Gehor-sam schuldete, würde sie sich dieser Diktatur nicht beugen. Zwar hatte sich Ellmaat einst rührend um sie, seine erstgeborene, hübsche Tochter geküm-mert, als aber Navin das Licht der Welt erblickte, veränderte sich sein Ver-halten ihr gegenüber radikal und grundlegend. Von einem Augenblick zum nächsten war sie Luft für ihn geworden, und die gren­zen­lose Gleichgültigkeit, die er sie spüren ließ, hatten ihr schon damals fast das kindliche Herz zerrissen.

Wie oft durfte sie vor der Geburt ihres Bruders auf seinem Schoß sitzen, auf seinen Knien reiten, ihren Kopf an seine mächtige Brust kuscheln. Seine kräftigen, schwieligen Finger hatten ihre widerspenstigen Locken gezaust, und manchmal hatte er sie in seinen Armen in den Schlaf gewiegt. Sie hatte kaum noch Erinnerungen an diese Zeit und die Wärme, die sie und ihn ehe-mals verband.

Eigenwillig, wie sie auch im Alter von dreieinhalb Jahren schon gewesen war, hatte sie den Kampf aufgenommen, versucht, ihre Stellung zurückzu-erobern, sich die Zuneigung ihres Vaters zu ertrotzen.

Sie signalisierte, dass auch sie sich für Pferde, Schwerter, Schnitzarbeiten und Bogenschießen interessierte. Sie lief ihm hinterher, wo immer er hinging … bis er ihres Buhlens so über­drüs­sig geworden war, dass er sie für nahezu zwei Monate in ihrem Zimmer einschloss.

Zu jener Zeit begann sie, ihren Vater zu hassen.

Dimeni, ihre Mutter, wagte nicht, sich gegen seine Befehle aufzulehnen. So verbrachte Kayana unendlich viele Stun­den allein in ihrer Kammer. Nur die Mahl­zeiten, die sie zusammen mit Muyan, einer der Dienstmägde, die Ell-maat zu ihrer Versor­gung abgestellt hatte, einnehmen durfte, unterbrachen ihre Einsamkeit.

Muyan war damals vierzehn Jahre alt gewesen, aber die schwere Arbeit hatte sie vorzeitig altern lassen. Sie hatte eine leise, aber wunderschöne Sing-stimme gehabt, und obwohl ihre Hände rau, ihre Nägel rissig und spröde waren, konnten sie wunderbar sanft sein. Jeden Abend war Kayana auf Muyans Schoß geklettert. Bei ihr fand sie mehr Geborgenheit als ihre Mutter ihr je hatte zukommen lassen. Die gemeinsamen Lieder waren ihr Trost, die wenigen Stunden der Gemeinsamkeit ihr Rettungsanker gewesen, wenn sie in den Fluten der Einsamkeit zu ertrinken drohte. Muyan verdankte sie auch ihre Freilassung.

»Ich werde sie mit ins Gesindehaus nehmen, Herr«, beschwor sie Ellmaat, »aber lasst sie wieder aus ihrem Zimmer heraus. Sie welkt dahin wie eine Rose, der man das Sonnenlicht vorenthält.«

Ihr Vater hatte lauthals über diese blumige Beschreibung ihres Zustands gelacht, sich brüllend auf die Schenkel geschlagen und dann laut gedröhnt: »Du kannst sie haben, wenn sie mir nur aus den Augen bleibt!«

 

 

Download (3)Zu mir:

Ich bin 47 Jahre alt, vierfache Mutter und schreibe, weil ich Spaß daran habe, meine Träume und Fantasien in Worten auszudrücken. Das ist für mich eine Art „Seelenventil“. Viele positive Rückmeldungen zu meinen „Erstlingswerken“, den Harry Potter Fanfiktion-Bänden 8 und 9, trugen dazu bei, etwas Eigenes zu schreiben, und dies auch zu veröffentlichen. Nach „Solifera“, meinem ersten Fantasy-Roman, entstanden somit „Der Savant von Innis“ sowie  „Die Rebellin von Koron“. Wer mehr über mich erfahren möchte, findet meine Homepage unter: http://www.susanne-esch.de/ . Auch in Facebook habe ich inzwischen eine Autorenseite: https://www.facebook.com/pages/Susanne-Esch-Autorin/1511872505710258?ref=hl

 

 

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