Blond ja. Dumm nein.

Blond ja. Dumm nein. von Michael Schönberg

( Tag 13 des Autoren-Adventskalender 2014 / Text und Bilder Michael Schönberg)

 

Schönberg

 

Leseprobe aus Teil 1

Der Bäckerei Besuch von Harald Neumann

Harald hatte mal wieder viel zu viel Zeit im Bad verbracht und konnte deshalb nicht das für ihn vorbereitete Müsli verzehren. Obwohl er sich ziemlich sicher war, gestern Abend den Akku von seinem Rasierer angeschlossen zu haben, war der Akku heute Morgen leer und er musste sich von Hand rasieren. Für Frühstücken war dann „leider“ keine Zeit mehr. Er hatte einen wichtigen Termin im Büro und erwähnte seiner Frau gegenüber, dass er beim Bäcker vorbeifahre würde, um sich ein Körnerbrötchen mit Käse und Salat zu kaufen. Seine Frau betonte, wie ungesund er mal wieder leben würde. Sehr oft kam er so spät aus dem Bad, dass er keine Zeit mehr hatte, die Müslischale zu leeren. Dann musste „leider“ wieder der Bäcker her. Natürlich kaufte er sich dort ein „normales“ Brötchen mit Schinkenbelag. Wie sich sehr schnell herausstellte, war das heute keine gute Entscheidung. In der Bäckerei „Golzheimer Backstube“ war vor ihm eine blonde Frau an der Reihe, die sich nicht entscheiden konnte, ob sie lieber ein belegtes Müslibrötchen oder doch lieber ein normales Brötchen haben wollte. Das normale Brötchen war mit Schinken belegt. Das Müslibrötchen war mit Käse belegt. Die blonde Frau fragte die Verkäuferin, ob sie das nicht tauschen könnte. Sie hätte gern das Müslibrötchen mit Schinken belegt. „Das geht jetzt nicht“, sagte die Verkäuferin. „Da ist ja auch noch Salat darauf.“ „ Könnten Sie mir nichts eins machen, mit Schinken?“ fragte die blonde Frau. „Nein“, sagte die Verkäuferin, „das geht jetzt nicht. Ich bin zurzeit alleine und sie sehen ja wie voll das Geschäft ist. Was möchten Sie jetzt bitte?“ Die sonst ruhige Verkäuferin wurde langsam ungeduldig. Endlich traf die Blonde eine Entscheidung und natürlich nahm sie dann doch, das mit dem Schinken belegte Brötchen. Sie verabschiedete sich mit einem Entschuldigungslächeln. An diesem Tag kam er dadurch später in sein Büro. Jeder, der so einen Morgen erlebt hatte, wusste, warum er brünett geheiratet hatte und nicht blond. Bei der Frühstückspause biss er in sein belegtes Brötchen. Da fiel ihm wieder die Blondine ein, die mit dem Schinken, weswegen er jetzt ein Käsebrot hatte. „Wie sah sie eigentlich aus?“, dachte er so bei sich, als er den Emmentaler auf seinen Gaumen schmeckte. Blond, so viel war klar. Schulterlanges Haar, der Duft, der sie umgab, war Chanel, das kannte er von einer Arbeitskollegin. Er empfand diesen Geruch als sehr angenehm, wenn die Kollegin bei Besprechungen schon mal neben ihm saß. Dann dachte er darüber nach, was die blonde Frau anhatte. Durch den roten Rock konnte er einen gut geformten Po erkennen, obwohl man das heute mit guter Unterwäsche kaschieren kann. Groß war sie auch. Jedenfalls größer als seine Frau, die mit ihren 1,65 m eher als klein bezeichnet wird. Sie wird so 1,75 – 1,78 m sein. Dann sah er sich in Gedanken ihre Figur an. Schlank war sie nicht aber auch nicht dick. Eher griffig und handfest für einen Mann um die vierzig. Leider hatte er ihr Profil nur ganz kurz gesehen. Seine Aufmerksamkeit galt doch diesem blöden Brötchen und danach der Verkäuferin.

Leseprobe aus Teil 2

Yvonne, eine schöne blonde Frau

Mit knapp über vierzig Jahren erkennt Yvonne, dass die Spezies „männliches Geschlecht“ sie eigentlich immer nur ausgenutzt hatten. Das letzte Erlebnis machte es ihr allzu deutlich, dass sie wohl als das blonde Dummchen angesehen war. Sie stellte sich vor ihren großen Spiegel im Schlafzimmer und betrachtete sich. „Eigentlich habe ich ja eine gute Figur. Die kleinen Pölsterchen an den Hüften verleihen einer Frau eher den Eindruck der Ruhe, die ein Mann dann auch bei mir finden kann“ sagte sie zu sich selbst. Sie streichelte ihre leichten Rundungen und zog dabei ihren Bauch etwas ein. Der Busen ist mit Körbchengröße D sehr griffig und die Männerwelt sollte damit zufrieden sein. Dazu drehte sie sich etwas zur Seite, um auch das Seitenprofil zu betrachten. „Meine Körpergröße ist mit 1.80 sicherlich nicht jedermanns Sache“, dachte sie so, als sie sah, wie hoch ihr Spiegelbild erschien. „Männer wollen zu ihren Frauen herunterschauen und nicht umgekehrt. Es gibt zu wenige Männer, die eine Frau neben sich akzeptieren, die fast einen Kopf größer ist, als der Herr des Hauses. Aber meine Konfektionsgröße ist mit vierzig genau das richtige um einen Mann fühlen zu lassen, dass er eine Frau in den Händen hat. Mein Gesicht kann sich auch sehen lassen“, betrachtete sie sich weiter. „Gut, die Nase ist etwas zu groß, doch sonst ist alles Ok.“ Sie sah im Spiegel ihre großen blauen Augen, die immer noch glänzten. Mit dem großen Kamm strich sie durch ihr schulterlanges Haar. Sie hatte es nicht nötig, sich die Haare färben zu lassen. Nein, ihr blondes Haar strahlte die Helligkeit der Sonne nur so aus sich heraus. „Eigentlich kann ich ja zufrieden sein. Warum bin ich in meinem Leben immer nur an den falschen Mann, Freund oder Lebensgefährten geraten?“ fragte sie sich. Was hatte sie schon alles erleiden müssen. Und als sie sich so betrachtete, sah sie im Spiegel auf der kleinen Kommode ihre alte Barby Puppe, die sie noch aus ihrer Kindheit hatte. Und sie erinnerte sich:
Als junges Mädchen hatte ich es eher gut als schlecht. Jedenfalls glaubte ich es eine lange Zeit. Einzelkind und der Liebling von Papa. Jeder Wunsch wurde mir von den Augen abgelesen. Meine Barby- oder Kenpuppen waren wie selbstverständlich in meinem Kinderzimmer. Doch ich war irgendwie in einem goldenen Käfig gefangen. Soweit ich mich zurück erinnern kann, war immer mein Vater an meiner Seite, wenn es Ereignisse gab. Ich habe meinen Vater als die Person im Gedächtnis, die mich immer begleitet hat. Schaukeln im Wald, spielen, Geburtstagsfeier oder plantschen im Garten. Papa. Immer war es Papa der da war. Mama habe ich dabei so gut wie gar nicht im Kopf. Sie war entweder in der Küche oder am Putzen. Wenn ich vor die Türe wollte, hieß es immer, „Spiel im Garten, da ist es schöner und sicherer.“ Dann kam ich in die Schule. Papa brachte mich immer hin und Mama holte mich dann wieder ab. So war es dann auch auf dem Gymnasium. Meine Schulfreunde oder Schulfreundinnen trafen sich oft nach der Schule zum Eis essen oder auf dem Dorfplatz zum rumhängen und erzählen. Ich musste immer nach Hause und meine Hausaufgaben machen. Danach war der Hausdienst angesagt. Eigene Hauswirtschaftsschule nannte mein Vater das. Wenn ich mal heirate, dann sollte ich Kochen und Hauswirtschaften können. So wie es meine Mutter von ihrer Mutter gelernt hatte. Dadurch hätte ich auf jeden Fall bessere Chancen, einen guten Mann zu finden. Kochen und so, das würde die heutige Jugend ja gar nicht mehr lernen. Nach diesen Aufgaben war es meistens zu spät um noch vor die Türe zu gehen, wenn ich gedurft hätte. So war ich nicht nur ein Einzelkind, sondern auch einsam. Überhaupt durfte ich eigentlich sehr wenig alleine. Mein Vater war sehr gläubig und so war es Sitte, dass man betete, bevor man isst. Abends im Bett wurde das gute Nachtgebet gesprochen. Mein Vater badete mich auch immer. Wegen der Reinheit, wie er es schon immer nannte. Reinlichkeit ist wichtig vor dem Herrn. Die Reinlichkeit war auch so etwas wie ein Ritual. Mein Vater hat mich schon von klein auf gewaschen. Meine Mutter hat das meinem Vater überlassen, weil er es so wollte. Er war der Herr im Haus und er bestimmte, wer was machte. Meine Mutter hätte sich nie getraut auch nur ein Wiederwort zu geben. Jeden Abend hat mein Vater mich gewaschen. Sehr gründlich und er ließ nichts aus. Als ich noch klein war, machte es mir ja noch Spaß, jedenfalls soweit ich mich noch erinnern kann. Als ich dann pubertierte war es mir peinlich. Mein Vater beherrschte die Familie und niemand wiedersetzte sich ihm. Auch ich nicht und so wusch er den Körper, die nun schon kleinen erhobenen Stellen auf meinem Oberkörper, den Bauch, den Po und natürlich besonders die Scheide, da sich da besonders viele Bakterien absetzen könnten. Auch das abtrocknen zelebrierte er. Meine Mutter hatte nie etwas gesagt, obwohl sie sehr oft gesehen hatte, wie gründlich er mich gewaschen und auch abgetrocknet hatte. Zu groß war der Respekt vor dem Ernährer, als das ihr auch nur ein Wort der Entrüstung über die Lippen gekommen wäre. Er war der Herr im Haus und von Gott gesendet um eine Familie zu gründen, sie zu Ernähren und zu führen. In der Woche wurde ich mit dem Waschlappen abgewaschen. Das ging immer recht schnell. Jedenfalls im normalen Ablauf. Hier und da hatte ich mich wohl besonders schmutzig gemacht und mein Vater brauchte dann schon mal besonders lange. Samstag war Badetag. Fast ein Erlebnistag. Wenn die Wanne mit Wasser gefüllt war, setzte sich zuerst Papa in die Wanne. Er blieb eine Zeit in der Wanne und wusch sich erst mal selbst. Dann rief er mich zu sich. Ich durfte dann auch in die Wanne. Als ich noch sehr klein war, soweit ich mich erinnern kann, haben wir dann zusammen in der Wanne etwas getobt und gespielt. Papa hat mich danach dann so hingesetzt, dass ich rückwärts zwischen seinen Beinen saß. Dann hat er meinen Rücken eingeseift, die Arme und die Haare gewaschen. Nun wurden die Brust und der Bauch gewaschen. Alles mit der gleichen Seife. Wir waren nicht arm aber diese Blockseife war ein Muss. Damit wurde immer alles gewaschen und der Körper roch zwei Tage nach dieser Seife. Dann musste ich mich hinstellen und er wusch mir den Po und die Beine von hinten. Dem Po widmete er besondere Aufmerksamkeit, Putzgründlichkeit eben. Es ging weiter mit umdrehen und die Beine wurden von vorne gewaschen. Danach wurde der Unterleib gewaschen. Das spreizen der Beine für diesen Vorgang, musste sofort erfolgen, sonst gab es schon mal was auf den Po. „Willst du wohl, oder glaubst du, ich habe ewig Zeit, dich zu waschen“, waren seine strengen, etwas lauteren Worte. Nach dem Waschen stieg mein Vater aus der Wanne und ich konnte sehen, wie sein Ding gewachsen war. Jedenfalls hing das Ding, das ich ja schon oft gesehen hatte, da mein Vater fast immer nackt durch die Wohnung lief, nicht mehr so rum wie sonst. Nein, es hatte sich, warum auch immer, aufgerichtet und war auch größer als sonst. Ich machte mir damals darüber noch nicht wirklich Gedanken. Ich wusste nur, dass er jetzt anders aussah als sonst

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Michael Schönberg
wurde 1955 in Düsseldorf geboren.
Er arbeitete viele Jahre als Maschinenbaumeister.
In den letzten Jahren war er als Logistikleiter
in einem Produktionsunternehmen der Verpackungsindustrie tätig.
In seinem ganzen Leben war er kreativ und konnte
sehr anschaulich Geschichten erzählen.
Als sich das Ende der beruflichen Karriere abzeichnete,
vertiefte er diese Gabe und begann zu schreiben.
So entstand aus seinen Gedanken der Roman
»Blond ja. Dumm nein.«
Außer diesem Roman schreibt er auch Kurzgeschichten, die er schon in verschiedenen öffentlichen Lesungen vorgetragen hat.
Aus den einzelnen Geschichten entstand in diesem Jahr das Buch
»Michaels Kurzgeschichten«.

 

Zurzeit arbeitet er an einem lustigen Roman.
Dabei handelt es sich um die Liebegeschichte von einem Paar im fortgeschrittenen Alter, das sich in der Sauna kennen und lieben gelernt hat.
Besondere Freude hatte er an der Mitwirkung bei der Buchreihe »Jedes Wort ein Atemzug« vom Karina-Verlag, unter der Leitung von Karin Pfolz. Insgesamt haben dort 143 Autoren/innen mitgearbeitet und kostenlos Kurzgeschichten zu Verfügung gestellt. Die Erlöse von den Büchern, »Geschichten aus aller Welt, Band 1 und Band 2«, »Kriminelle Geschichten« und »Winter- und Weihnachtsgeschichten« unterstützten die Gewaltopferhilfe der Autonomen österreichischen Frauenhäuser.
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