Alantua von Jessica Bernett

Alantua von Jessica Bernett

* Tag 4 des Neujahrskalender / Text und Bilder Jessica Bernett*

 

Folie1

 

 

Copyright © Jessica Bernett 2013, 2014
Der vorliegende Roman ist als eBook erschienen in Zusammenarbeit mit der
BookRix GmbH & Co. KG, Einsteinstraße 28, 81675 München, Deutschland.
Veröffentlichung: 10.12.2013, ISBN: 978-3-7309-6816-1
Taschenbuch über Amazon: ISBN
Covergestaltung: Jessica Bernett / Sonne: Brainartist / Hintergrund:
©kbuntu-Fotolia.com / Lichtmagie: ©RFsole-Fotolia.com
Lektorat: Antje Adamson /Jean

 

 

 

Leseprobe:

Für die starken Frauen in meinem Leben:
Angelika, Mariza, Désirée und Anina.
Und für die starken Männer an unserer Seite

 

Prolog
Gehüllt in einen dunklen Umhang eilte Arthano, Prinz von Kantú,
über schwarzes Gestein hinauf zum Berg des Dämons.
Keine Wolke bedeckte den Himmel über ihm, nur die Sterne
leuchteten ihm den Weg. Es war die Nacht des Monats, in der
Monwym, die Mondgöttin, Herrscherin über das Wasser, ihr Gesicht
verbarg. Nur in dieser Nacht, so hatte es die Priesterin gesagt, konnten
sie den Dämon beschwören.
Bereits bei Sonnenuntergang war der Prinz aufgebrochen. Allein,
gekleidet in das einfache Tuch eines Dieners, und hatte einen alten
braunen Gaul aus den Stallungen geholt, statt seinen schwarzen
Hengst Bergamon zu satteln. Es sollte niemand mitbekommen, was er
in dieser Nacht vorhatte. Nur die Sterne waren seine Zeugen. Und die,
so war er gewiss, würden ihn nicht verraten.
Das Pferd hatte er am Fuße des Berges zurückgelassen, die Zügel in
Ermangelung eines Baumes oder Astes einfach am Boden mit einem
schweren Stein fixiert. Das gemächliche Tier hatte sofort damit
begonnen, an ein paar trockenen Grasbüscheln zu kauen. Arthano
hoffte, sie würden es solange beschäftigen, bis er zurückkam. Er hatte
keine Lust, den staubigen Pfad nach Kantarra zurück zu laufen.
Nach der Hälfte des Weges war er nun schweißgebadet. Es war eine
lauwarme Frühlingsnacht und der Aufstieg beschwerlich. Doch die
Mühe würde sich lohnen.
Beinahe hätte er sie übersehen, die schmale Steinspalte, durch die man
das Innere des Dämonenberges betreten konnte. Sie war gerade breit
genug, dass er sich seitwärts hindurchzwängen konnte. Nach zwei
Schritten hatte ihn die Schwärze des Berges umfangen. Er sah nichts mehr, konnte nur noch vorsichtig den Weg mit den Füßen ertasten und
stützte sich mit den Händen an der scharfkantigen Steinwand vor
seinem Gesicht ab. Der Felsen war warm.
Und dann, als er schon dachte, die Schwärze würde niemals enden
und er würde einfach in ein endlos tiefes Loch stürzen, sobald der
Durchgang zu Ende war, bemerkte er endlich ein sanftes Glühen. Das
Glühen wurde heller, beschien orange und warm sein Gesicht.
Gleichzeitig wurde der Fels unter seinen Händen immer heißer. Er
musste die Hände sinken lassen.
Schließlich trat er aus dem Schacht. Die orangefarbene Hitze traf ihn
so heftig, dass er fast taumelte. Er schloss die Augen, zwang sich,
ruhig zu atmen und die Angst zu bekämpfen. Die Angst war der
Feind.
Er presste entschlossen die Lippen zusammen, öffnete seine Augen
und atmete langsam durch die Nase … was sich als Fehler erwies. Die
Luft hier war heiß, beißend und voller Schwefel. Rasch hob er die
Hand und hielt eine Ecke seins Umhangs vor Mund und Nase.
Lange würde er es in dieser brodelnden Hölle nicht aushalten, trotz
des magischen Trankes, den er vor dem Aufbruch zu sich genommen
hatte.
Er stand auf einem Felsvorsprung, der sich weit oben über einem See
aus Lava erhob. Eine Frau stand majestätisch am Rande des
Vorsprungs gekleidet in ein schwarzes Gewand aus fließendem Stoff,
der sich jeder ihrer Rundungen zart anschmiegte.
Es war die Priesterin.

Der Schein der Glut ließ ihr hellgoldenes Haar leuchten wie die
untergehende Sonne. Ihr schien weder die Hitze noch der Gestank etwas auszumachen. Das Kinn stolz nach oben gereckt, lächelte sie
ihm entgegen und breitete die nackten Arme aus.
„Willkommen, Prinz von Kantú. Willkommen im Berg des Dämons!“
Den Stoff seines Umhangs noch immer vor dem Gesicht nickte er ihr
zu. Es ärgerte ihn, dass sie sich hier gebärdete, als wären Hitze und
Gestank nicht vorhanden, während er kaum atmen konnte. Und doch,
wie er sie dort stehen sah, stolz und schön im Schein der Lava, spürte
er ein heftiges Verlangen nach ihr.
Langsam schritt er auf sie zu, den Rand des Vorsprungs stets im
Blickwinkel.
„Seid Ihr bereit, Prinz?“ verlangte sie zu wissen und er meinte in ihren
Augen zu erkennen, dass sie auf ihn herabsah.
Er ließ den Zipfel seines Umhangs sinken. „Bereit für alles, was
notwendig ist.“

Wenn er nur ganz flach atmete, nicht hinunter in die glühende Tiefe
sah und sich allein auf die Priesterin konzentrierte, mochte er es hier
oben eine kurze Weile aushalten.

Sie schloss die Augen, drehte sich langsam um, legte den Kopf in den
Nacken und rief andächtig: „Oh Dämon, Sohn der Sonnengöttin
Alanwy und des Herrn der Dunkelheit, höre mich, Deine getreue
Dienerin Zelena! Höre mich, Kind des Feuers und der Dunkelheit! Bei
mir steht demütigst Arthano, Prinz von Kantú, und erflehet Deine
Gunst!“
Sie warf Arthano einen Seitenblick zu. Das war wohl sein Zeichen.
Er sank auf die Knie, die scharfen Gesteinsbrocken auf dem Boden
drückten sich schmerzhaft durch den Stoff seiner Hose.

„Hier knie ich vor Deiner Priesterin und erflehe Deine Gunst“, sprach
er die Worte, wie sie es ihm zuvor eingegeben hatte.
Sie griff nach dem Zeremoniendolch an ihrer Hüfte und hob ihn
feierlich über den Kopf. „Oh Dämon, siehe hier stehen wir und
erflehen Deine Gunst! Koste den Saft des Lebens! Unser Leben ist
ganz Dein!“ Grob packte sie nach Arthanos Handgelenk. Die scharfe
Klinge ihres Dolches hätte selbst die lederne Haut eines Nashorns
zertrennt. Sie hinterließ eine rote Linie in seiner Handfläche.
Blut tropfte auf den schwarzen Boden zwischen ihnen.
„Erhebe dich, Prinz, und schwöre deine Treue.“
Er tat wie ihm geheißen, während sie sein Handgelenk noch immer
festhielt.
„Ich, Arthano, Prinz von Kantú, gelobe dem Dämon des Berges,
Frucht des Leibes der Sonne und des Gottes der Dunkelheit, ewige
Treue. IHM will ich huldigen. ER soll mich leiten und nur IHM will
ich dienen. Möge ER durch meine Taten groß werden!“
Sie nahm seinen Arm und hielt ihn über den Rand des Vorsprungs.
Sein Blut tropfte in die Tiefe.
Obwohl es eigentlich unmöglich war, meinte er, ein leises Zischen zu
hören, als das Blut weit unten auf die Lavamasse traf…
Die Priesterin schloss erneut die Augen und hob die Arme. Den Kopf
legte sie in den Nacken und atmete tief ein.
Arthano glaubte, ersticken zu müssen, wenn er diesen verdammten
Berg nicht endlich verließ. Ja, er wollte die Gunst des Dämons. Und
ja, er würde einfach alles dafür tun, endlich Herrscher über Kantú zu
sein.
Er würde seinen schwächlichen Bruder in die Verbannung schicken.
Seine Schwester, die Schlampe aus Alantua, würde er als Sklavin in den Süden verkaufen. Und unter ihm würde Kantú endlich wieder so
mächtig werden, wie es vor tausend Jahren gewesen war. Arthano
würde als größter König Kantús in die Geschichte eingehen.
Dies alles setzte jedoch voraus, dass er lebend aus dieser heißen,
stickigen Hölle entkam!
Endlich ließ das Weib die Arme sinken. Aus glühenden Augen
musterte sie ihn. Sie wirkte geradezu ekstatisch. Langsam schob sie
die dünnen Träger ihres fließenden Gewandes über die nackten
weißen Schultern. „Der Pakt muss besiegelt werden“, sprach sie
feierlich und der dünne Stoff rutschte zu Boden.
Arthano hatte sie bereits begehrt, als sie in Zaroms Tempel zum ersten
Mal auf ihn zugekommen war. Ihr helle Schönheit, die weiße glatte
Haut und das glänzende Haar, das über üppige Brüste und eine
schmale Taille zu ihren runden Hüften fiel. Der Stolz in ihrer Haltung
und in ihren dunklen Augen reizte ihn noch mehr. So war er jetzt
mehr als bereit, sie zu nehmen.
Sie vereinigten sie auf dem harten Gestein des Dämonenberges und
Arthano stieß sie hart und unnachgiebig. Sie stöhnte – ob vor Lust
oder vor Schmerz, vermochte er nicht zu sagen. Doch als er sich in ihr
ergoss, beugte sie sich ihm verlangend entgegen und klammerte sich
mit ihren glatten weißen Oberschenkeln an seine Hüften.
Als er seine Beinkleider wieder zuschnürte, hatte er das Gefühl, seine
Lunge stünde genauso in Flammen wie sein Glied. Er wollte einfach
nur noch raus aus dem Dämonenberg, hinaus an die frische Luft der
Nacht.
„Dies ist der Beginn eines neuen Zeitalters“, sprach die Priesterin
feierlich. „Der Dämon wird dich zu höchstem Ruhm tragen. Und
durch dich wird der Dämon endlich zu dem, was Ihm bestimmt ist: Zu einem Gott. Jede Tat, die du in Seinem Namen begehst, jedes Opfer,
das du Ihm schenkst, wird Seine Macht mehren. Und mit Seiner
Macht wächst Seine Gunst und mit Seiner Gunst wächst dein Ruhm.“
Arthano nickte. Allmählich wurde ihm das pathetische Gerede der
Priesterin zu viel. Sie hatten das Ritual durchgeführt. Sein Leben
gehörte nun allein dem Dämon, reichte das nicht?
„Blut ist es, wonach es dem Dämon am meisten giert. Der Lebenssaft
lässt ihn mächtiger und mächtiger werden. Schenke ihm reichlich
davon, Prinz von Kantú.“
„Das habe ich vor“, antwortete er.
Sie hatte sich ebenfalls wieder angekleidet. Doch der glänzende Stoff
betonte ihre Rundungen mehr, als sie zu verdecken. Da war er wieder,
dieser herablassende Stolz in ihren dunklen Augen.
Das Glühen aus der Tiefe tauchte ihr Haar in rotes Licht … rot wie
Blut.
Arthano trat zu ihr, zog sie in die Arme und schenkte ihr einen
leidenschaftlichen Kuss. Dann lächelte er.
„So soll er dieses Leben nehmen für den Anfang“, sprach er und stieß
sie von sich.
Erst als sie bereits fiel, schien sie zu begreifen. Der Stolz wich
Entsetzen. Sie schrie.
Und Arthano lächelte noch immer.
Der Dämon begrüßte das Opfer mit feurigem Brodeln.

 
IMG_0133Jessica Bernett wurde 1978 in Wiesbaden geboren. Seither hat sie an verschiedenen
Orten gelebt, u. a. in Watlington/Oxfordshire und in Mainz. Aktuell lebt sie mit ihrem
Mann, den zwei Kindern und der Katze in einem kleinen verträumten Weinörtchen vor
den Toren von Mainz.
Nachdem sie bereits einige Kurzgeschichten mit großem Erfolg veröffentlicht hatte,
erschien im Dezember 2013 ihr Debütroman „Alantua“. Obwohl Alantua ein klassischer
Fantasy-Roman ist, in dem Magie, Abenteuer und Liebe eine wichtige Rolle spielen,
wollte sie den Focus ihrer Geschichte besonders auf das Schicksal dreier Schwestern
legen, die allen Widerständen zum Trotz ihre eigenen Wege finden.
Derzeit arbeitet die Autorin an der Fortsetzung ihres Romans, in dem wieder eine starke
Frauenfigur im Mittelpunkt stehen wird.
Weitere Infos findet man stets auf Facebook, Twitter und der Autoren-Homepage:
https://www.facebook.com/jessbernett
https://twitter.com/Jessii1978
http://jessbernett.jimdo.com/

 


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.